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finden. Einst fiel mir aber eine Abhandlung der Art in dieHände, die mir, weil sie in einigen Punkten mit Laune ge-schrieben war, Unterhaltung gewährte, obschon ich im Allge-meinen die Befähigung des Verfassers, über diesen Gegenstandgründlich zu schreiben, nicht anerkennen konnte. Er suchtunter andern (wahrscheinlich weil er Grossstädter ist) eineder Ursachen, die die Fortschritte der Kunst verzögern, darin,dass die Unzahl kleinstädtischer Aerzte in ihrem Wirkungs-kreise auch nicht die mindeste Aufmunterung zur Selbstver-vollkommnung finden. Da nämlich, meinet er, niemand dieVervollkommnung der Kunst fördern könne, der nicht zuerstdas Vervollkommnen bei sich selbst anfange, so müsse dieUnzahl der kleinstädtischen Aerzte, weil ihnen alle Aufmun-terung zur Selbstvervollkommnung fehle, Nullen für die Kunstbleiben.
Ich will jetzt einmahl dieses Vorgeben näher beleuchten.Dem Verfasser und allen denen, die mit ihm gleich gesinnetsind, muss ich beipflichten, dass kleinstädtische Aerzte durchauskeine Aussicht haben, Titel und reiche Gehälter zu erhalten.
Ich gebe zu, dass mancher reichbegabte junge Arzt,des bürgerlichen Lebens und dessen Verhältnisse unkundig,sich in einer kleinen Stadt niedergelassen haben mag, derenBewohner, aller geistigen Bildung bar, unfähig sind, seinenintellektuellen und sittlichen Werth zu beurtheilen, ihn alsonothwendig in eine Reihe mit den ärztlichen Krämern undHausirern setzen müssen, wodurch er denn in geistiger Hin-sicht zum wahrhaften Einsiedler wird.
Ja ich will noch auf einen wichtigen Punkt aufmerksammachen, dessen bis jetzt kein Dichter einer Krähwinkeliadegedacht hat. Der Geist, der in kleinen Städten vorwaltet,gehet doch nur immer von wenigen Bürgern aus. Durch denTod und durch die Ortsveränderung dieser wenigen kann also,in dem Zeiträume eines einzigen Menschenlebens, ein rechtanmuthiges Städtchen so zum Bösen verändern, dass alleLaster und Untugenden, die sich in grossen Städten zwarfinden, aber hier durch die höhere Geistesbildung und durchdie edlen Gesinnungen vieler anderen Bewohner überwogenund verdunkelt werden, als da sind: Neid, Lüge, handgreif-