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Form verschieden ist, nichts erkennen, als nur ihr Verhältnisszu der Heilwirkung der Arzenei. Daraus folgt, dass wir dasWesen der Krankheit nur durch Auffinden ihres Heilmittelserkennen können, und dass alle Krankheiten für unseren Ver-stand so lange unerkannte Krankheiten sind, bis wir das wahreHeilmittel gefunden. Eine Krankheit, deren Natur mir uner-kennbar ist, weil ich kein Heilmittel auf dieselbe weiss, kanneinem anderen Arzte erkennbar sein, weil er ihr Heilmittelweiss. Darum muss man mit der Erklärung der Unheilbarkeitetwas sparsam umgehen; ja, wer sich auch einbildet, ein ge-lehrter und sehr belesener Mann zu sein, der mag doch wohlbedenken, dass in der medizinisch - praktischen Welt manchesmit Vortheil geübt wird, von dem die Bücher schweigen.Dass man über die Natur einer Krankheit Vermuthungen habenkönne, läugne ich nicht; allein stützen sich diese Vermuthungenauch auf die wahrscheinlichsten Gründe, so können sie dennochtäuschen: darum läuft das Erkennen der Natur einer Krank-heit zuletzt immer auf das Anwenden der Probemittel hinaus.Der Scheidekünstler kann aus den sinnlichen Eigenschafteneines Naturkörpers wol mit mehr oder minder Wahrscheinlich-keit dessen Zusammensetzung vermuthen, aber nur dadurch,dass er die Probemittel (ReagentiaJ mit ihm in Berührungbringt, erlangt er eine sichere Erkenntniss der Natur dessel-ben. Nun, haben wir Aerzte denn einen anderen Weg zurwahren Erkenntniss der Natur einer Krankheit zu gelangen ? —
Wenn der Scheidekünstler durch die sinnlichen Eigen-schaften des zu untersuchenden Körpers Vermuthung überdessen Natur hat, so setzt er, durch diese Vermuthung be-stimmt, lieber gleich anfänglich ein solches Reagens zu demKörper, welches ihm bejahende, als ein solches, welches ihmverneinende Ergebnisse liefert.
Gerade so müssen wir Aerzte es auch mit den Krank-heiten machen. Haben wir eine auf Wahrscheinlichkeit ge-gründete Vermuthung über die Natur einer Krankheit, sobringen wir lieber, durch diese Vermuthung geleitet, dasjenigeArzeneimittel mit dem Organismus in Berührung, welchesunsere Vermuthung bestätiget, als das, welches sie nicht be-stätiget, oder, mit anderen Worten, lieber das, was heilt,