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kranke Mensch A an der nämlichen Krankheit leide, im geradenVerhältniss; diese Wahrscheinlichkeit ist um so grösser, jegrösser die Zahl der schon beobachteten und als gleichnaturigerkannten Fälle war. Ist die Zahl dieser Fälle sehr gross, sogrenzt die Wahrscheinlichkeit, dass der zu heilende Kranke Aan der nämlichen Krankheit leide, fast an Gewissheit: ichsage fast; die grösste Wahrscheinlichkeit ist immer noch nichtGewissheit*).
Ans dem Gesagten gehet hervor, dass die gelehrten undlehrenden Aerzte, wenn sie sagen, wir wollen von dem Cha-rakter der epidemischen Constitution auf die Natur des zuerkennenden, aus den Zufällen nicht selten unerkennbaren ein-zelnen Krankheitsfalles schliessen, sich einer Petitio prineipiischuldig machen. Sie setzen etwas Aligemeineres, als einBekanntes schweigend voraus, welches aber noch unbekanntist, dessen Bekanntschaft zu erringen, gerade die schwierigsteAufgabe für den Praktiker ist. Wenn ich jedoch behaupte,dass sich gar manche Aerzte dieser Petitio prineipii schuldiggemacht, so weiss ich doch auch recht gut, dass andere unslehren, das Principium auszumitteln und festzustellen, dasheisst, den allgemeinen Charakter der herrschenden Krankheitzu erforschen. Da diese Aerzte aber nur drei Erkennungswegehaben, den der Ursachen, den der Krankheitszufälle und dendes Helfens oder Schadens der Arzenei, so muss es um dieBelehrung auch sehr mangelhaft aussehen. Boerliave (Aphor.de cognosc. et curand. morb. §. 1412.) gibt sechs Wege an,durch welche wir zur Erkenntniss der verborgenen Natur einerepidemischen Krankheit gelangen können. Es ist mir zu lang-weilig, diesen im Grunde nichtssagenden Paragraphen abzu-schreiben. Der sechste darin angegebene Erkennungsweg ist
*) Da ich mich mehr auf die latrosophie als auf die Philosophie gelegt, sohabe ich auch in meinem Lehen nichts Philosophisches über die Wahr-scheinlichkeit gelesen als nur Moses Mendelsohtis Abhandlung, die man imersten Theile seiner philosophischen Schriften findet. Man hat mir gesagt,in neuer Zeit sei viel Merkwürdiges über diesen Gegenstand geschrieben;ich glaube es gern, werde es aber nicht lesen. Die allergrösste Wahr-scheinlichkeit, dass ich bald sterben muss, macht mich etwas verdrossen,über andere Wahrscheinlichkeiten zu grübeln.