Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
589
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üie meisten Menschen erinnern sich dessen, was früher ge-schehen, entweder gar nicht, oder nur höchst unvollkommen.Von den Krankheiten der Aeltern und Grossältern wissen diewenigsten etwas zu erzählen, und was sie davon aussagen,ist nutzlos, und so unvollkommen, dass es, weil es meist aufblosse Krankheitsnamen hinausläuft, den Arzt leicht in dieIrre führen kann.

Zuweilen hat auch in früher Zeit eine so seltsame Be-gebenheit den ersten Keim zur Krankheit gelegt, dass, wollteman bei allen vorkommenden Kranken nach solchen möglichenSeltsamkeiten forschen, man leicht in den Verdacht der Schwach-oder Irrsinnigkeit gerathen könnte. Wenn Ihr, meine Leser!z. B. einen an Lungeneiterung und Schwindsucht Leidendenfragen wolltet, ob ihm früher auch wol ein Stückchen voneinem Rindsknochen durch die Luftröhre in die Lunge gera-then sei; so bin ich sicher, der Kranke und seine Freundewürden denken, Ihr habet einen Sparren im Kopfe. Und docherlebte ich schon einen solchen Fall, den ich dem Leser,bloss seiner Seltsamkeit wegen, mittheilen will.

Im Winter des Jahres 1833 wurde ich zu einem schwind-süchtigen, jungen, mannbaren Mädchen gerufen. Ich fand siebettlägerig, abgemagert, stark fiebernd, und mit einer offenenLungeneiterbeule behaftet. Letztes schloss ich daraus, weilsie bald dicklichen, geruch- und geschmacklosen Schleim aus-warf, bald stinkenden Eiter, der, nach ihrer Aussage, süsslichschmeckte. Die letzte Art des Auswurfes hatte sich erst vor Kur-zem gezeigt, und seit seinem Erscheinen war die Kranke sichtbarschwächer und elender geworden. Sie hatte eine ins Gelbespielende Gesichtsfarbe und der Harn eine Goldfarbe. DieErforschung des Vorhergegangenen ergab Folgendes. Ein Jahrfrüher hatte sie, zugleich mit der Mutter, an einem akutenFieber krank gelegen; die Mutter war gestorben, sie selbst genesen,aber seitdem in einem quinenden Zustand geblieben, undhatte immer gehustet. Der Arzt sollte bei dem Behandelndes akuten Fiebers geäussert haben, ihre Leber sei angegriffen;auch hatte sie angeblich Schmerzen der rechten Seite gehabt.Ich erinnerte mich deutlich, dass zu jener Zeit Urleber-krankheiten, häufig mit akutem consensuellen Fieber gepaaret,