Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
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579
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Ich stelle jetzt folgende Frage auf: Welches ist der Haupt-grund der gröbsten praktischen Verirrungen, deren sich dieHeilkunst seit dem Verfalle der Galenischen Schule schuldiggemacht? Meines Erachtens ist es die Meinung der Aerzte:ohne Erforschung der Ursache der Krankheit sei keine wahr-haft gründliche Heilung möglich. Aus der vermeintlichen Ur-sache wollten sie das Wesen der Krankheit erkennen; sie er-klärten daraus, oft seltsam genug, die Erzeugung der Krank-heit, und auf dieses Luftgebild gründeten sie die rationelleHeilart. Es liegt ausser meinem Plane , diese Behauptung mitbücherlichen Angaben zu belegen, denn jeder Arzt, der sichmit den Hauptmeistern der Kunst bekannt gemacht, und indessen Kopfe sich durch diese Bekanntschaft eine Geschichteder Medizin gebildet hat, müsste ein sehr unglückliches Ge-dächtniss haben, wenn ihm, auch ohne Nachschlagen seinerBücher, nicht solche Thatsachen erinnerlich sein sollten, aufwelche ich ziele. Einzig meinen jüngeren Lesern zu genügen,will ich nur an zwei Merkwürdigkeiten erinnern.

Die erste ist die verkehrte Behandlung der Pocken, welchezwar nicht mehr während meiner Lebzeit, aber doch so kurzvor derselben von den Aerzten angewendet wurde, dass ichnoch ältere Leute gekannt habe, welche sie selbst in ihrerJugend erfahren. Diese heisse Behandlung gründete sich docheinzig auf eine ursachliche Erkenntniss der Krankheit. DasPockengift war hier die Ursache; sichtbar wollte dieses dieNatur durch die Haut aus dem Körper treiben, und da derArzt Diener der Natur ist, musste er ihr in diesem Bestrebenzu Hülfe kommen. Nichts war also folgerechter, als denKranken vor aller frischen Luft bewahren, ihn in Federbettenbegraben, ihn hinter den Ofen legen, durch warme Getränkedie Hautkrisis befördern; denn nur so konnte die Giftursacheentfernt und die Krankheit glücklich gehoben werden. DasSchlimmste bei der Sache war, dass die von den Aerztenausgeheckte ursachliche Behandlung von dem Volke nachge-ahmt wurde, und dass das Volk, auch nachdem die Aerzteendlich eines Besseren belehret wurden, noch eine geraumeZeit bei dem alten Tränt blieb. Man konnte es ihm auchnicht übel nehmen, denn es war offenbar zweifelhaft .geworden,

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