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Ein berühmter Philosoph, (ich weiss nicht genau, welcher,vermuthe aber, dass es Hime ist) nennet die Begriffsbestim-mung der Ursache das Kreuz der Metaphysiker. Er hatwahrlich Recht; es ist gewiss ein grosses Kreuz, etwas zusuchen, was nicht zu finden ist, bei dessen Aufsuchen manin das Unendliche fortlaufen muss und wie der ewige Judenimmer zur Ruhe gelangt. Wozu, werden einige Leser fragen,diese Subtilitäten ? werden sie auch bei Uebung der Kunst zuetwas dienen? ■— Ich glaube, sie sind gerade uns Praktikernsehr nützlich: denn wenn wir uns einmahl von der Unmög-lichkeit, einen allgemeinen, deutlichen Begriff der Ursache fest-zustellen, überzeugt haben, so begreifen wir auch ohne Mühe,dass alle subtile Spaltungen des Nichtbegriffes (man entschul-dige diesen Ausdruck) auf einen blossen Wortkram hinaus-laufen, der uns bei Uebung der Kunst zu nichts, zu gar nichtsdienet.
Man könnte aber einwenden: lehret es nicht die Beobach-tung, dass gewisse Einwirkungen den Menschen krank machen,dass wir diese Einwirkungen in vielen Fällen sinnlich erkennen,und dass aus dieser Erkenntniss die Erkenntniss der Formund des Wesens der Krankheit unmittelbar hervorgehet? —Meines Erachtens ist dieses nicht zu läugnen; denn legt manjemand einen Strick um den Hals und hängt ihn daran auf,taucht man ihn so lange unter Wasser, bis er kein Zeichendes Lebens mehr von sich gibt, lässt man ihn eine gute Por-tion Arsenik, Wasserschierling, Blausäure verschlucken, schlägtman ihm mit einer Keule den Kopf ein, oder übt andereGewaltthaten an ihm, so bewirkt man dadurch grosse undlebensgefährliche Störung des Regelganges der Körpermaschine,oder ein gänzliches Stillstehen derselben, den Tod. Das sindaber grobe, handgreifliche Einzelheiten des grossen unerforsch-lichen Lebenskampfes der Natur, und ich möchte nie läugnen,dass wir solche Einzelheiten beobachten, und von einer grossenAnzahl dieser Beobachtungen Erfahrungssätze abziehen können.Die alten Pathologen haben, sich dieses dunkel denkend, solchesichtbare, handgreifliche, unzweifelhafte Einflüsse auch deshalbvon anderen geschieden und sie Cansas continentes genannt;wahrscheinlich weil sie keiner anderweitigen Ursachen zur Er-