Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
566
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

566

schon mehrmahls von Aerzten gesagt ist), so würden wir einehöchst unweise, eine Contradictio in adjecto enthaltende Redeführen. Wenn wir mit Augen sehen, dass in dem todtenKörper sich eine neue lustige Thierwelt erzeugt, so dringt sichuns doch wol der Glaube auf, bloss das eigenthümliche Leben,durch welches der jetzt todte Mensch A, früher der lebendigeMensch A gewesen, sei erloschen. Dass es vernichtet sei,können wir nicht behaupten, denn wir wissen ja nicht, wases ist, bedienen uns also klüglich, um die Veränderung, diemit ihm vorgegangen, zu bezeichnen, eines bildlichen, vonder Flamme hergenommenen Ausdruckes", und sagen, es isterloschen. Da nun Krankheit, wenn sie nicht beseitiget wird,das eigenthümliche Leben des ergriffenen Leibes auslöscht, ihntödtet, wir aber das Tödten, nach unserer irdischen Ansicht,als etwas Feindliches betrachten, so können wir auch, ohneuns in das Reich des Gedankenbildlichen zu verlieren, dreist be-haupten, Krankheit sei ein feindliches Ergriffensein des Lebens.Das Wie dieses feindlichen Ergriffenseins können wir deshalbunmöglich erkennen, weil wir das Leben selbst nicht kennen.

Da nun aber die Aerzte von dem Wesen der Krankheitsprechen, und behaupten, die Erkenntniss desselben führeallein zum sichern Heilen, so müssen sie doch etwas von dem-selben erkennen können; welches ist denn dieses Etwas? Umdiese Frage zu beantworten, müssen wir vorher eine anderebeantworten, nämlich die: was kann man von dem Wesender einfachen Naturkörper erkennen, das heisst, derer, welche denScheidekünstlern als solche gelten, weil sie bis jetzt eine Zu-sammensetzung derselben nicht nachweisen können ? So vielich die Sache begreife, können sie von dem Wesen derselbennichts, gar nichts erkennen, als ihr Verhältniss zu anderenNaturkörpern. Da wir nun aber von dem Wesen jener sicht-und tastbaren Körper nichts anderes erkennen, so würde esdoch einen wahrhaft lächerlichen Hochmuth verrathen, wennwir von dem Wesen der Krankheit, von diesem unsichtbarenfeindlichen Ergriffensein des unsichtbaren unerkennbaren Le-bens mehr erkennen wollten. Wir können nichts, gar nichtsvon dem Wesen der Krankheit erkennen, als, auf dem Wegeder Beobachtung, sein Verhältniss zur Aussenwelt. Wir können