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leiblichen Augen gesehen. Mit Augen hatte ich gesehen, dassSchwefelsäure die Faulfieber heilte, also schrieb ich auch nurdas an Herrn H. und nichts mehr. Wie wenig ich aber freivon dem nachherigen Reichschen Irrsale war, mag dem Leserfolgendes Geschichtchen darthun.
Es herrschte damahls in verschiedenen Gegenden dieViehseuche. Aus den Zufällen derselben schloss ich, sie müsseauch wol ein ähnliches böses Fieber sein, als das, welchesdie Menschen heimsuchte, und die Schwefelsäure werde beidem Vieh eben so heilsam wirken als bei den Menschen.Dem damahligen Krieges - und Domänenrathe Sack, der sichviel um die Seuche bekümmerte, theilte ich bei Gelegenheitmündlich und später auf sein Verlangen schriftlich meine Ge-danken über diesen Gegenstand mit. Begreiflich spielte indiesem Aufsatze, nach damahliger ärztlicher Ansicht, die Fäul-niss eine Hauptrolle. Da aber die erste Erzeugung aller Säfteim Darmkanal geschiehet, so brauchte man diesen ja nur ganzmit Säure zu erfüllen; die Fäulniss im Blute und in allenübrigen Säften war dadurch unmöglich gemacht und die schonvorhandene musste gehoben werden.
Diese Gedanken waren schon ihrer Einfachheit wegen demNichtarzte, der sich wol als kluger Mann von dem glücklichenErfolge dieser bei Menschen geübten Heilart an der bestenQuelle würde erkundiget haben, sehr einleuchtend. Er machtemir den Vorschlag, selbst einen Versuch anzustellen, besorgtemir zehn Rinder von den Domänenbauern, einen Stall nahebei der Stadt, einen Bauernthierarzt, um das Vieh zu pflegenund ihm einzugeben. Die Domänenbauern jedoch, die sichschon für Französische Republikaner hielten, hatten keinesonderliche Neigung, dem Preussischen Domänenrathe zu will-fahren. Die Rinder schickten sie wol (diese hatten begreiflichzu einer solchen Zeit wenig Werth), aber das Futter blieb aus.Die armen Geschöpfe mussten bloss von nacktem Roggenstrohleben. — Ich impfte sie, erfüllte ihren Darmkanal mit Schwefel-säure, und von den Zehen starben acht. Die zwei noch lebendensahen aber wirklich so elend aus, dass sie es auch wol nichtlange mehr werden gemacht haben. Ob nun die acht unglück-lichen Thiere von Hunger, oder durch die Schwefelsäure, oderII. 22