— 213 —
zweifelhaften Zustand. Wenn man aber daraus nicht bestimmtauf Eisenkrankheit schliessen kann, so ist doch die Wahr-scheinlichkeit weit grösser, dass man es mit einer Eisen-, alsmit einer Salpeterkrankheit zu thun habe.
Zu der Untersuchung muss man vor allen Dingen keinungeleimtes Papier gebrauchen, sondern ganz weisses, feinesund gut geleimtes, dieses mit Lackmus nicht dunkelblau, son-dern hellblau anstreichen, und das, was roth sein soll, nurmit ganz schwacher Säure röthen. Die Untersuchung, dieman mit ungeleimtem Papier anstellt, ist nichts Werth, beson-ders bei dunkel gefärbtem Harne. Dieser durchdringt gleichdas Papier und gibt ihm eine Missfarbe, die nichts unter-scheiden lässt. Das zu dunkelblaue lässt einen sehr schwachenGehalt von Harnsäure nur undeutlich erkennen, und das mitzu starker Säure geröthete zeigt gar übel einen ganz geringenGrad der Laugen salzigkeit*).
Weiter ist eine sichtbare Abnahme der Muskelkraft, son-derlich in akuten Krankheiten, ein wahrscheinliches Zeichen,dass man es mit einer Eisenkrankheit zu thun hat; voraus-gesetzt, dass der Kranke nicht an einer Urgehirnaffektion, oderan einer unter der Heilkraft des Kupfers stehenden Affektiondes Gesammtorganismus leide. Sowol die eine als die anderekann, eben so gut als die Eisenaffektion, ein Unvermögen sichim Bette aufzurichten bewirken, weshalb man auf die letztenicht blindlings aus einem solchen Zustand schliessen darf.Uebrigens findet man an Eisenkrankheit Leidende genug, die
*) Ich muss hier auf eine grosse Täuschung aufmerksam machen, in die derArzt gar leicht bei Untersuchung des Harnes fallen kann. Geringe Leutebedienen sich der gemeinen irdenen Harntöpfe, diese Töpfe nehmen be-kanntlich gar bald einen stinkenden Geruch an; aus dem verderbendenHarn entwickelt sich nämlich Ammonium und durchdringt auf die Dauerdas ganze Geschirr. Jeder frische Harn, der in einem solchen unsauberenTopfe gestanden, blauet das geröthete Lackmuspapier, könnte also denArzt leicht zu einer ungehörigen Anwendung des Eisens verleiten. Aufdas, was ich hier sage, muss man nicht bloss bei armen Menschen achten,sondern auch bei wohlhabenden Landleuten; denn weil diese täglich mitDünger umgehen, ist ihre Nase an solche Gerüche gewöhnt, mithin kannihnen auch ein stinkender Harntopf nicht widerlich sein.