Es wäre vielleicht hundertmahl besser für die Heilkunstund für die Menschheit gewesen, wenn man nie den Ausdruck,Fieber, in die Medizin eingeführt hätte. So hat man sichbemühet Fiebermittel zu suchen, man hat die Fieber einge-theilt, ihnen seltsame griechische und lateinische Namen ge-geben, und die Aerzte sind um kein Haar weiter in Heilungderselben gekommen. Hätte man den Gedanken von Fieberganz fahren lassen, bloss Mittel auf den erkrankten Gesammt-organismus und andre auf die erkrankten Organe gesucht, sowürden in hundert Jahren zwanzig verständige Aerzte dieeigentliche Heilkunst in diesem Punkte weiter gefördert haben,als es jetzt alle Aerzte aller Lande in einem Zeiträume vonmehr denn zweitausend Jahren gethan.
TJebrigens bin ich weit entfernt, dieser meiner Ansichtwegen, dem alten Sprachgebrauche in dieser Schrift zu ent-sagen. Ich habe mich des Ausdruckes Fieber bedient, undwerde mich desselben bedienen, wie man sich mancher Aus-drücke im täglichen Leben bedient, mit denen der Verstandallerdings wol undeutliche, aber keine klare, streng abgemarkteBegriffe verbinden kann. Einen Zustand des Gesammtorganis-mus, bei dem das Gesundheitsgefühl, dem Kranken merkbar,getrübt und der Puls beschleuniget ist, wollen wir immerhinFieber nennen.
Hinsichtlich der Wirkung der Universalmittel in rein con-sensuellen Affektionen des Gesammtorganismus bemerke ich,dass, da die Universalmittel das Urleiden der Organe nichtheben, sie auch nicht das von diesem abhängende consensuelleLeiden des Gesammtorganismus, nicht ein consensuelles Fieberheben können. Jedoch werden sie in manchen Fällen ohneauffallenden Nachtheil gegeben. Ich habe schon früher voneinem Zustande des Gesammtorganismus bei consensuellenFiebern gesprochen, den ich den IndifFerenzstand genannt. Ichnenne diesen Zustand, der fieberhaft oder nichtfieberhaft seinkann, deshalb gleichgeltend, gleichbedeutend, weil es gleichgilt, ob man bei demselben das eine oder das andere Mittelreicht. Wie das Befinden eines gesunden Menschen durchdas Einnehmen mancher Mittel (vorausgesetzt, dass diese nichtbar giftig sind, oder in ungemessener Gabe gereicht werden)