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Kurzes Lehrbuch der Nahrungsmittel-Chemie : mit 21 Abb.
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Der Stoffwechsel des Gesamtorganismus unter verschiedenen Verhältnissen. 65

ungenügende war, so daß tatsächlich neben Fett auch Muskelsubstanzzersetzt wurde, wie in den Versuchen von Kellner und Wolff.

Hirschfeld hat bei Versuchen an sich selbst auch durch diekräftigste Muskelarbeit weder bei eiweißreicher, noch bei eiweißarmerNahrung, wenn letztere nur an sich reichlich war, eine gesteigerte Stick-stoffausscheidung herbeiführen können.

Wenngleich nun die Muskelarbeit als solche mit der Eiweißzer-setzung nicht im Zusammenhange steht, auch keine vermehrte Eiweiß-zersetzung zur Folge hat, so ist doch eine erhöhte Eiweißgabe für denarbeitenden Menschen nicht nur nicht überflüssig, sondern sogar notwendig.Die Muskeln, ^ welche ihrer Hauptmasse nach (abgesehen vom Wasser zu21°/ 0 ) aus Eiweiß bestehen, nehmen infolge der größeren Anstrengungan Masse zu, es erfolgt Eiweißansatz, der Gesamtkörper wird eiweiß-reicher. Damit nun dieser Zustand erhalten bleibe, damit die Muskulaturihre Leistungsfähigkeit nicht einbüße, ist eine reichlichere Eiweißzufuhr er-forderlich. Das Eiweißbedürfnis eines angestrengt arbeitenden Menschenist ein größeres, als das eines weniger oder gar nicht arbeitendenIndividuums.

Der erhöhte Bedarf des Arbeiters an stickstofffreiem Nährmaterialbedingt gesteigerte Anforderungen an den Darm, eine vermehrte Pro-duktion der Verdauungssäfte und Verdauungsfermente; da letztere aberals N-haltige Substanzen nur durch Zersetzung von Eiweiß erhaltenwerden können, so ist auch aus diesem Grunde für den angestrengtarbeitenden Menschen neben reichlicherer Zufuhr N-freier Nahrung einegrößere Zufuhr von N-haltigem Eiweiß nötig, als für ein untätiges In-dividuum (Fr. Hofmann 1 ).

Geistige Tätigkeit übt auf den Stoffverbrauch nach Unter-suchungen von C. Speck 2 keinen meßbaren Einfluß aus.

Während des Schlafes, dem Zustande größter Ruhe, ist dieSauerstoffaufnahme und die Kohlensäureabgabe sehr herabgesetzt(J. B. Boussingault, W. Henneberg, Scharling, Ed. Smith,Liebermeister 3 ). Nach Versuchen von Pettenkofer und Voit 4 istder Eiweißzerfall während des Schlafes derselbe wie im wachen Zustande,sobald der Einfluß der Nahrung aufgehoben ist; dagegen wird währenddes Schlafes weniger Fett zersetzt, in Übereinstimmung mit der Tat-sache, daß bei der Arbeit zwar nicht mehr Eiweiß, wohl aber mehr Fettder Zerstörung anheimfällt.

12. Einfluß der Temperatur der umgebenden Luft.

Der Eiweißverbrauch wird weder durch Kälte noch durchWärme wesentlich geändert; eine Erniedrigung der Außen-temperatur hat eine Zunahme der Kohlensäureausscheidung,

1 Fr. Hofmann, D. Fleischnahrung, Leipzig 1880. 2 Arch. f. experim.l'athol. Pharmaoologie 1881, 81. 3 g^e Voit, Handb. d. Physiol. p. 204.4 Ztschr. f. Biologie 1866. 2, 545.

Eöttger, Nahrungsmittelchenrie. 2. Aufl. 5