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Kurzes Lehrbuch der Nahrungsmittel-Chemie : mit 21 Abb.
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63
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Der Stoffwechsel des Gesamtorgauismus unter verschiedenen Verhältnissen. 68

Später von Pettenkofer und Voit l gemeinsam angestellte Versucheam Menschen, bei Euhe wie bei angestrengter Arbeit, bei Hunger wieim N-Gleichgewicht ergaben ebenfalls, daß die Eiweißzersetzung durchdie Arbeit nur wenig gesteigert wurde; keinesfalls konnte die Steigerungdurch die Muskelarbeit bedingt sein.

Die Muskeltätigkeit und die Größe des Eiweißverbrauchesstehen demnach nicht in Beziehung zueinander.

Die Versuche von Voit fanden Bestätigung durch die Erfahrungenanderer Autoren. Interessant ist eine Beobachtung von A. Pick undJ. Wislicenus 2 , welche im Eiweißhungerzustande das Faulhorn bestiegenund dabei die Größe der Eiweißzersetzung bestimmten. Beide Forscherhatten in den der Besteigung vorhergehenden 17 Stunden nur stickstoff-freie Nahrung genossen; sie sammelten den während des 6stündigenAufstieges gelassenen Harn, vereinigten ihn mit dem in den nächsten6 Stunden ausgeschiedenen und bestimmten die N-Menge des Harnes.Die aus dem Stickstoff berechnete Menge des umgesetzten Eiweißes ergabca. 37 g. Diese 37 g Eiweiß liefern 250 Kalorien, ungefähr 100 000 kg-mArbeit entsprechend. Die tatsächliche Arbeitsleistung beider Herrenmuß auf ca. 368 000 kg-m veranschlagt werden. Es kann also die Ver-brennung von Eiweißstoffen nicht die ausschließliche Kraftquelle desMuskels gewesen sein, da mehr als dreimal soviel Arbeit geleistet wurde,als das aus der Eiweißverbrennung berechnete Äquivalent der Wärme-menge beträgt.

J. Förster 3 fand, daß der Eiweißzerfall bei einem durch Curare-Vergiftung bewegungsunfähig gemachten Tiere ein nicht geringerer war,als bei einem sich frei bewegenden, nicht vergifteten.

Eine geringe Vermehrung des Eiweißumsatzes bei gesteigerter Arbeitdagegen konnte H. Oppenheim 1 dann beobachten, wenn Atem-beschwerden eintraten, z. B. bei schnellem Bergsteigen etc.; die gleicheSteigerung des Eiweißzerfalles tritt nach A. Fränkel 5 bei Einatmungvon Kohlenoxyd, allgemein bei jeder verminderten Sauerstoffzufuhr ein.

Wie bereits angeführt wurde, hatten Vierordt und Scharlinghei der Muskeltätigkeit eine vermehrte Kohlensäureausscheidung be-obachtet; da dieselbe nach den jetzigen Erfahrungen nicht in einergrößeren Eiweißzersetzung ihren Grund haben kann, muß nunmehr an-genommen werden, daß sie eine Folge vermehrter Zerstörung N-freierSubstanzen ist.

Pettenkofer und Voit 6 haben durch zahlreiche Versuche nach-gewiesen, daß, während der Eiweißzerfall bei der Arbeit keine wesent-liche Steigerung erfährt, der Gaswechsel infolge der Muskeltätigkeit

1 Ztschr. f. Biologie 1866. 2, 459. 2 Vierteljalirsschr. d. Zürich, naturf.Ges. 1865. 10, 317. 3 Ztschr. f. Biologie 1878. 14, 146. 4 Pflügers Arch.1SK0. 23, 440. 5 Virchows Arch. 1876. 67, 273 u. 1879. 70, 117. -b Ztschr. f. Biologie 1866. 2, 538.