Der Stoffwecli.se! des Gesamtorganismus unter verschiedenen Verhältnissen.
Der Hungernde verliert also gleichmäßig an Körpermasse, jedochin den ersten Tagen mehr, wie in den späteren; der Verlust bestehtder Hauptsache nach (etwa a / s ) in Wasser, nur ein Drittel trifft aufFett und Eiweiß, und zwar wird 3—4 mal mehr Fett zerstört wie Eiweiß.Nimmt der Hungernde Wasser zu sich, so ist der Verlust selbstredendnur auf Fett und Eiweiß beschränkt. Hunger ohne Wasseraufnahmewird schwerer vertragen als mit Wassergenuß. Bei fetten Personen istder Eiweißverbrauch ein geringerer als bei mageren; Kinder, welcheeinen regeren Stoffwechsel haben, erliegen eher dem Hungertode als Er-wachsene. Der Umstand, daß die N-Ausscheidung in den ersten Hunger-tagen eine stärkere ist, als in den folgenden Tagen, daß sie sogar auf einMinimum herabsinkt, hat v. Pettenkofer und v. Voit zu der Annahmegeführt, daß der Körper neben dem fester gebundenen „Organeiweiß"noch je nach dem Eiweißgehalte der vorausgegangenen Nahrung mehroder weniger „zirkulierendes" Eiweiß enthalte; ist letzteres verbraucht,da im erst wird das fester gebundene Organeiweiß angegriffen, dasschwerer zersetzt wird, infolgedessen die Größe der N-Ausscheidungabnimmt.
Vergl. W. Prausnitz, luV Eiweißzersetzung beim Menschen wählend derersten Hungertage. Ztschr. f. Biologie 1893. N. F. 11, 161. Über den Begriff:
..zirkulierendes Eiweiß" siehe: Ed. Pflüger: Pt'lügers Arch. 1898. 54, 333;O. Hain mar st (Mi, Lehrb. d. pliys. Chem. 1899, 586.
2. Alleinige Zufuhr von Eiweiß.
Eine gesteigerte Zufuhr von Eiweiß hat eine Steigerungder N-Ausscheidung, also auch eine gesteigerte Eiweißzer-setzung zur Folge.
Voit 1 fand bei Versuchen an einem Hunde:
Verzehrt. Fleisch
Harnstoffmenge
Verzehrt. Fleisch
1 [arnstoffmenge
pr. Tag 'u Gramm
im Tag in Gramm
, pr. Tag in Gramm
im Tag in Gramm
300
32
L500
um;
500
40
1800
L28
600
49
1900
LS9
800
56 2000
144
900
68 2200
154
1000
77 2500
173
1200
88
2660
181
War die 3fache Menge Eiweiß gegeben, so betrug die Harnstoff-menge das Doppelte, war die 6fache Menge Eiweiß zugeführt, so stiegdie Harnstoffabgabe auf das Vierfache.
Mit der vermehrten Eiweißzufuhr und hierdurch bedingten Steige-rung der Eiweißzersetzung wird der Verlust des Körpers an Eiweiß,wie er beim Hunger stattfindet, immer geringer. Bei weiterer Steige-
1 Ztschr. f. Biologie 1867. 3, 5; v. Voit, Physiol. .1. allg. Stoffwechsels, 105.Köttger, Naliiuimsniittelcheniie. 2. Aufl.