449 —
S0 3 H.
a) Die freie Sulfosäure.
N(CH S ), - C 6 H 4 - N = N - C C H 4
Die freie Sulfosäure 3 ) stellt im festen Zustande rotviolette Kri-stallschuppen dar, welche in viel Wasser löslich sind. Löst man esin möglichst wenig Wasser, so erhält man eine deutlich rotorangegefärbte Lösung, deren Farbe bei weiterem Wasserzusatze all-mählich von Kot durch Orange in Gelb übergeht. Versetzt mannun die gelb gewordene Lösung mit einer Spur einer starken Säure,so wird die Lösung wieder rot und beim weiteren starken Verdünnenmit Wasser oder durch Kochen wieder orange und schließlich gelb.Der Grund hievon ist folgender:
Heim Lösen der freien Sulfosäure, der ich der Einfachheit halberdie Formel MII gebe, wird sie gemäß dem Massenwirkungsgesetzenach dem Schema:
MH ^>M-fH
m negative, intensiv gelb gefärbte M-Ionen und in farblose H-Ionenelektrolytisch dissoziiert. In der konzentrierten Lösung sind aber sowenig der gelben M-Ionen vorhanden, daß sie fast ohne Einfluß>uit die Farbe der roten, elektrisch neutralen MH-Molekel sind. Beizunehmender Verdünnung aber nimmt die Dissoziation zu, so daßbald genügend M-Ionen vorhanden sind, um mit den roten MH-Mo-lekeln die orange Mischfarbe zu geben, und bei noch weiterer Ver-dünnung vermehren sie sich so, daß ihre gelbe Farbe vorwiegt.Fügt man zu der gelben Lösung eine Spur einer starken Säure, sonimmt die Konzentration der Wasserstoft'ionen zu. wobei die Disso-ziation zurückgedrängt und die rote Farbe wieder hergestellt wird.-Uurch erneutes Verdünnen mit Wasser oder durch Kochen wiederholtSich der Vorgang und die Lösung wird wieder gelb.
Will man eine Natriumhydroxydlösung mit einer y i0 n. Säuretitrieren, so setzt man der Alkalilösung ein wenig Methylorange hinzulind läßt die Säure zufließen, bis die Lösung deutlich rot erscheint.Die Rosafärbung wird aber erst dann auftreten, wenn alles Alkalivon der Säure neutralisiert und ein Überschuß der letzterenzugesetzt worden ist. Dieser Überschuß an Säure bedingt einenDehler in der Analyse, der um so größer ist, je mehr man von demIndikator verwendet und je verdünnter die Lösung ist.
Wir sehen daraus, daß je schwächer der saure Charakter desIndikators, desto empfindlicher ist er. Dasselbe gilt natürlich vonIndikatoren von basischem Charakter.
3 ) Vgl. Jnl. Stieglitz, Chem. Zontralbl. 1904, S. 210.Treadwell, Analytische Chemie. II. 5. Aufl. 29