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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 779 Abb.
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Strasburger:

Wesen mit Pflanzen wahrscheinlicher, so werden sie dem Pflanzenreich, imentgegengesetzten Falle dem Tierreich angeschlossen.

Die lebenden Wesen bilden somit ein einziges zusammenhängendes Reich,dessen niederste Vertreter nur künstlich in Tiere und Pflanzen geschiedenwerden können. Dagegen scheint es zunächst eine leichte Aufgabe zu sein,das Reich der lebenden Wesen gegen jenes der leblosen Körper abzu-grenzen. In der Tat treten uns alle lebenden Wesen mit einer bestimmtenEigenschaft entgegen, welche den leblosen Körpern fehlt und die wir alsReizbarkeit bezeichnen. Sie äußert sich darin, daß äußere oder innereAnstöße im lebenden Organismus als Auslösungen wirken und ihn zuTätigkeiten veranlassen, die er mit Mitteln, über die er verfügt oder die ersich zu beschaffen vermag, in einer durch seinen Bau bedingten und seinenBedürfnissen entsprechenden Weise ausfuhrt. Auch in den kleinsten undeinfachsten Organismen, die wir kennen, beruhen die Lebensvorgänge aufderartigen Reizerscheinungen. Daher liegt der Schluß nahe, daß auch dieseOrganismen nicht die einfachsten Lebewesen darstellen. Vielmehr müßtenletztere mit wesentlich einfacheren Eigenschaften ausgestattet sein, die ihrenAnschluß an die leblosen Körper gestatten. Denn für die Substanz, dieden Ausgangspunkt der organischen Entwicklung bildete, ist ein anorgani-scher Ursprung anzunehmen. Alle jetzt lebenden Wesen gehen aber, soweitunsere Erfahrung reicht, aus ihresgleichen hervor. Für alle Gebiete, überdie unsere Forschung sich erstreckt, erscheint die „Generatio spontanea-,d. h. Urzeugung, ausgeschlossen. Im Altertum war die Vorstellung weitverbreitet, daß sogar hochorganisierte Pflanzen und Tiere aus Schlamm undSand entstehen könnten; diese Anschauung wurde selbst von Aristotelesgeteilt. In dem Maße, als sich die Kenntnis von der Entwicklung lebenderWesen erweiterte, wich die Grenze für die Generatio spontanea immermehr zurück. Die Urzeugung wurde auf die Eingeweidewürmer beschränkt,deren Auftreten im Innern anderer Wesen man sich anders nicht vor-zustellen wußte, und auf mikroskopisch kleine Organismen, deren Ent-stehung sich der Kontrolle entzog. Doch auch für alle diese Wesen hat diefortschreitende Forschung die Generatio spontanea beseitigt. Man lernte dieEntwicklungsgeschichte der Eingeweidewürmer kennen, man stellte fest, daßdie Keime der kleinsten Organismen in Luft und Wasser verbreitet sindund allen Gegenständen anhaften. Auf letzterem Gebiete haben Schwannund Pasteür bahnbrechend gewirkt; sie zeigten, daß man das Auftretenniederer Organismen an allen Orten, an denen man sie vorzufinden pflegt,durch Zerstörung der vorhandenen Keime und Abschluß gegen neue, ver-hindern kann. Daß man heute in so ausgedehnter Weise Nahrungsmittelzu konservieren weiß, dankt man nicht zum geringsten jenen auf die Er-forschung der Generatio spontanea gerichteten Bestrebungen. Man zerstörtzunächst durch hinreichend hohe Temperaturen die den Nahrungsmittelnbeigemengten Keime und sorgt dann durch entsprechenden Abschluß dafür,daß neue Keime nicht hinzutreten. Ohne solche Keime bleibt aber die Zer-setzung der aufbewahrten Nahrungsmittel aus, weil sie durch die Lebens-vorgänge der niederen Organismen bedingt wird.

Alle lebenden Wesen, die wir kennen, gehen somit aus anderen lebendenWesen hervor; andererseits findet die Vorstellung, daß die lebendige Sub-stanz aus lebloser abzuleiten sei, eine wichtige Stütze in den Erfahrungender Chemie. Noch in den ersten Dezennien des vorigen Jahrhunderts hatman die Gebiete der anorganischen und organischen Chemie streng von-einander geschieden und man nahm an, daß die in der organischen Chemiebehandelten Substanzen nur durch die Lebensvorgänge der Organismen