Druckschrift 
1 (1854)
Entstehung
Seite
292
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

292

Cortex Fructus Aurantii.

Ml*I

W'

4

i

■p

Um das Pulver daraus darzustellen, muss sie von der innerenRinde gereinigt sein.

Die Schalen der Pomeranze kommen im getrockneten Zustande in denHandel. Sie stammen von drei verschiedenen Arten dieser Pflanze ab. 1) Zu-nächst von Citrus Aurantium, der Orange, oder dem sogenannten Apfelsinen-baum. Wie dies letzte halbdeutsche Wort entstanden sei, ist unbekannt. Diesüssen Pomeranzen, allgemein als die vortrefflichste Frucht bekannt, waren schonim Alterthum als die goldenen Aopfel der Hesperiden berühmt. Es ist nichtganz unwahrscheinlich, dass der Homerischen Sage von derLotosfrucht, welchedie davon Geniessenden ihrer Freunde und des Vaterlandes vergessen machte,die süsse Pomeranze zu Grunde gelegen habe, und dass das Land der Loto-phagen, welches von den Erklärern theils in Sicilien, theils in Libyen gesuchtwird, die balearischen Inseln gewesen sein mögen, wo diese Frucht in vortreff-licher Güte wild wächst. Einmal (Odyss. 9, 94.) wird sie /jeXirjtfris x«(mo'f, einehonigsüsse Frucht, genannt, was in so fern eine poetische Verstärkung ist, daauch der Wein, der Waizen, das Gras mit demselben Epitheton im Homer ge-ehrt werden; sodann wird die Frucht av&tvov tläag, eine Frucht, welche einerBlume ähnlich sieht, genannt, was am besten zu der hochgelben Farbe derOrange passt. Auch kommt in den Gegenden des Mittelmeeres, welche dieOdysseische Irrfahrt berührt, keine andere Frucht von so vortrefflicher Güte,so leichter Einsammlung und Aufbewahrung vor, als gerade die Orange, umeine so hohe Auszeichnung zu verdienen, als ihr die wundervolle HomerischeDichtung giebt.

Der Baum der süssen Pomeranze unterscheidet sich äusserlich von demder bitteren dadurch, dass der Blattstiel ganz ohne Ansatz oder nur mit einemschmalen Flügel versehen ist. Die Oeldrüsen der Frucht sind süss und derGeschmack des Fleisches süss-säuerlich, sehr angenehm und erquickend. Rissozählt an die vierzig Spielarten auf, die durch Cultur entstanden sind, und sichtheils durch die Blattform, theils durch die Form der Frucht unterscheiden.2) Citrus vulgaris, oder Citrus Aurantium nmarum, oder Citrus Bigaradia Risso,Pomeranze, gemeine bittere Pomeranze , unterscheidet sich äusserlich dadurch,dass der Blattstiel auf beiden Seiten leierf örmig mit Blattsubstanz gefiedert ist.Die Frucht ist rund, die Schale ziemlich runzlich, sehr bitter und hochgelb,darnach orangengelb genannt. 3) Die Citrus Bergamia Risso, oder Bergamottc,eine der vorigen verwandte Art. Der Blattstiel ist etwas geflügelt. Die Blüthensind klein, weiss, sehr wohlriechend. Die Früchte sind von mittlerer Grösse,birnförmig oder oben eingedrückt, wulstig. Die Schale ist blassgelb mit con-caven Oeldrüsen. Alle drei Bäume gehören zur Polyadelphia Icosandria, CLXVIII., Ord. 3 des Linnd' sehen Systems. Von diesen drei Bäumen und ihrenSpielarten werden die Cortices Aurantiorum in den Handel gebracht. Sie sindspitzeirund, durch zwei sich rechtwinklig kreuzende, meridianartig geführteKreisschnitte entstanden, und hängen häufig noch zu vier zusammen. Man hatdarauf zu sehen, dass sie frisch, kräftig von Geruch und Geschmack, nichtdurch Vermulstern verdorben seien. Aussen sind sie dunkelgelb, bräunlichgelb,mit vielen kleinen Vertiefungen, durch die vertrockneten Oelbläschen entstanden,versehen. Das innere Mark ist fast geschmacklos. Die Pomeranzenschalen fin-den häufige Anwendung in der Pharmacie, sie dienen zur Darstellung einerTinctur, eines Extractes und eines Syrupes, und sind Bestandteile in demElizir Aurantiorum compositum, der Tinctura Chinae composita, und der llnctnraRhei vinosa, und endlich kommt auch noch ein feines Pulver als Zusatz zu Pul-vern und Pillen häufig in Anwendung. Zur Bereitung des Extractes werden die