Acetum concentratum.
essigsaure Nutron etwas theurer war, als es im Verhältnisse mehr Essigsäure enthielt.Nehmen wir an, das Pfund reines essigsaures Natron koste 9 Sgr., was vor we-nigen Jahren noch stattfand, das Pfand Bleizucker aber 4 l / a Sgr., so dürftedas Atomgewicht des Bleizuckers doppelt so gross als das des essigsauren Na-trons sein, um für gleichen Preis gleichviel Essigsäure zu enthalten. Multipli-cirt man das Atomgewicht des Bleizuckers mit 4%, das des essigsauren Na-trons mit 9, so ist das zusammengesetzte Verhältniss aus Atomgewicht undPreis beim Bleizucker 2, und beim essigsauren Natron 3, woraus man ersieht,dass alsdann die Essigsäure im Bleizucker um % wohlfeiler, als im essigsaurenNatron enthalten war. Allein dies Verhältniss hat sich bedeutend geändert.Der Zentner rohes essigsaures Natron, sogenanntes Rothsalz, welches zur Dar-stellung von Acetum concentratum rein genug ist, kostet jetzt 12 Thlr. und derZentner Bleizucker 13 Thlr. Nehmen wir beide zum gleichen Preise an, soist in dem essigsauren Natron die Essigsäure im Verhältnisse wie 136 zu 190wohlfeiler enthalten, und auf 6 Thlr. 10 Sgr., die man für Bleizucker ausgiebt,erspart man von vorn herein 1 Thlr. 24 Sgr. wenn man das Natronsalz kauft.Noch mehr wird dies Verhältniss zu Gunsten des essigsauren Natrons geän-dert, wenn man die Umstände in Betrachtung zieht, welche die Trennung derEssigsäure aus beiden Salzen begleiten. Das essigsaure Blei giebt mit derSchwefelsäure einen unlöslichen Niederschlag von schwefelsaurem Bleioxyd, dersich fest auf den Boden der Retorte ansetzt und das Durchdringen der Wärmehindert. Die Destillation dauert hierdurch viel länger und es wird mehr Brenn-material verbraucht. Der Kuchen von schwefelsaurem Bleioxyd schliesst nochunveränderten Bleizucker ein, und es findet am Boden der Retorte bei vollstän-diger Austreibung der Flüssigkeit immer eine Art trockner Destillation statt,wodurch das Destillat brenzlich wird und schweflige Säure enthält. Der Ku-chen brennt immer an, und ist unten meistens schwarz, was offenbar nur vonzerstörter Essigsäure herrühren kann. • Die Destillate aus Bleizucker müssenimmer rectificirt werden, da sie unvermeidlich schweflige Säure, brenzlicheStoffe und Blei enthalten. Das erste Destillat ist immer milchig trüb. DieKosten und Verluste der Rectification kommen noch hinzu, und endlich auchdie Möglichkeit einer Verunreinigung mit einem giftigen Metallsalze, die beiAnwendung alkalischer oder erdiger essigsaurer Salze ganz vermieden ist.Das schwefelsaure Bleioxyd haftet so fest an der Retorte, dass es, ohne dieselbezu zerbrechen, nicht losgelöst werden kann, und da es selbst keinen AVerth hat,so bleibt nichts übritr, als die Retorte samint dem Kuchen zu den Glasscherbenzu werfen. Bei Anwendung von essigsaurem Natron kann man nicht nur denKuchen sein- leicht lösen und die Retorte erhalten, sondern auch die Lösung zueinem, wenn gleich wohlfeilen, doch nutzbaren Salze verarbeiten. Um dasLoslösen des Rückstandes in der Retorte möglich zu machen, hat schon sehrfrühe Buchholz die Idee gehabt, dem Bleizucker eine gewisse Menge Glau-bersalz zuzusetzen, welche durch Zwischenlagerung das Loslösen der einzelnenTheilchen des schwefelsauren Bleioxyds möglich machen soll. Das Glaubersalzist fast niemals frei von Kochsalz und bringt unvermeidlich Salzsäure in dieEssigsäure. Ausserdem entspricht es aber selbst dem Zwecke, den man zu-nächst im Auge hatte, nicht ganz, indem sich die Bleivitriolkuchen dennochfestbrennen. Dies ist daraus abzuleiten, dass, wenn das Glaubersalz mit demBleizucker und dem Wasser in der Betörte vermischt werden, nöthwendigessig-saures Natron und Bleivitriol entstehen müssen, von denen sich das letztereSalz, als das speeifisch schwerere, fest auf den Boden setzt, wahrend der übrige«fest von Bleizucker und essigsaurem Natron darüber schwimmen. Erst durch*«o Zusatz von Schwefelsaure entstellt wieder Glaubersalz, welches sich vor-zu gsweise in der Lösung befindet und gar nicht mehr oder nur unvollkommen