Druckschrift 
Anleitung zur Darstellung und Prüfung chemischer und pharmaceutischer Präparate : ein auf eigene Erfahrungen gegründetes, insbesondere den Apothekern gewidmetes praktisches Hülfsbuch
Entstehung
Seite
245
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Beryllium oxydatum. ***

stehenden Lauge auf einem Filter, wasche ihn mit heissem Was-ser aus, trockne und glühe ihn. Auf 1 Th. Beryll und 3 Th.kohlensaures Kali (gereinigte Potasche) gebrauchte ich gegen6 Th. Salzsäure von 1,130 spec. Gewicht, iy 4 Th. Ammoniak-liquor von 0,960 und 1 Th. Kalilauge von 1,333. Die Ausbeutean reiner Beryllerde betrug im günstigsten Falle % 0 vom Ge-weht des Minerals.

Vorgang. Der Beryll ist ein Doppelsalz von kieselsaurerBeryllerde und kieselsaurer Thonerde mit geringen AntheilenEisen und Mangan. Der Gehalt an Beryllerde beträgt darin 13Proc, die Thonerde 17% Proc. in Säuren löst er sich nichtauf, muss daher durch Alkalien, und zwar in der Glühhitze, auf-geschlossen werden. Damit diess möglichst vollständig geschehe,muss das Mineral ins feinste Pulver verwandelt, das kohlensaureKali in bedeutendem üeberschusse genommen, und starke, an-haltende Hitze angewandt werden. Demungeachtet bleibt beiBearbeitung grösserer Menge fast immer einTheil der Verbindungunzersetzt, was indessen für den vorliegenden Zweck und bei derBilligkeit des Materials von keiner Bedeutung ist. Beim Schmelzentrennt sich die Kieselsäure von den Erden und tritt an das Kali,welches seinerseits die Kohlensäure (die unter Aufblähen ent-weicht) verliert. Die geschmolzene Masse besitzt gewöhnlich einegrüne Farbe, welche von mangansaurem Kali herrührt; das imMineral befindliche Manganoxydul oder Oxyd verwandelt sich näm-lich beim Glühen mit Alkalien, durch Anziehen von Sauerstoff ausder Luft, in Mangansäure = Mn0 3 , welche ihrer Verbindungmit Alkali eine grüne Farbe, verleihet. Durch Behandlung derMasse mit Wasser löst sich kieselsaures Kali und das mangan-saure Kali auf; beide aber zersetzen sich auf Zusatz von Salz-säure, die Kieselsäure scheidet sich grösstentheils ab, das Kaliwird zu Chlorkalium, und aus der Mangansäure wird unter Ent-wicklung von Chlor: Manganchlorür.

1 M.-G. Mu0 3 und 3 M.-G. C1H bilden:1 M.-G. MnCl, 3 M.-G. HO und 2 M.-G. GLZu gleicher Zeit werden aber auch durch die Salzsäure die Thon-erde, Beryllerde und das Eisenoxyd aufgelöst. Aus dieser saurenAuflösung schlägt Aetzammoniak die Thonerde, Beryllerde unddas Eisenoxyd als eine voluminöse Masse nieder, welche vonconcentrirter Aetzkalilauge, bis auf das Eiseuoxyd, vollständigaufgenommen wird. Die nun folgende Operation gründet sich