Druckschrift 
Bd. 2. Welcher die pharmaceutische Mineralogie, Botanik und Zoologie enthält 1 (1838) Pharmaceutische Mineralogie : mit 2 Taf.
Entstehung
Seite
14
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

I

u

Stereometrische Kennzeichen.

ä

V

m

Homoedrie und Hemiedrie.

§. 37. Das Symmetriegesetz der Krystalle erfordert es,dass eine Flachenart so oft an einer Krystallgestalt vorkomme,als Lagen von Flächen derselben Art um den Mittelpunkt desKrystalls möglich sind. Diese Gesetzmässigkeit findet jedoch,namentlich bei einfachen Gestalten eine Ausnahme, die sich,wenn man die abwechselnden Flächen, Flächengruppen u. s. w.für sich an ihnen vergrössert, bis sie sich gegenseitig schnei-den, in zwei, sich wie rechts und links verhaltende gleiche undähnliche Formen zerlegen lassen. Gestalten der letztem Art,die also, gegen die Formen, von welchen sie abstammen,nur die Hälfte der Fiächen aufzuweisen haben, nennt man h e-miedrische Formen (Hälft-Flächntr), während man die, derenFlächen vollzählig sind, homoedrische nennt.

Bestimmung der Neigungswinkel an den Krystallen.

§. 38. Die Bestimmung der Neigung der Flächen zu ein-ander, d. i. die Ermittlung der Neigungs-Winkel oderK an t en gr ös se , ist für die trigonometrische Bestimmung desAxenverhältnisses und ihrer Lage unumgänglich nöthig. DieseNeigung der Flächen wird mittelst eigner Instrumente gemessen,die man Winkelmesser (Goniometer) nennt. Es sind davonzwei im Gebrauch, nämlich das Anlege-Goniometer vonHauy und das Reflexions-Goniometer von Wollaston.

§. 39. Das erstere besteht in zwei Linialen, wovon daseine "die Sehne eines getheilten Halbkreises darstellt, währenddas andere sich, im Mittelpunkte des Kreises , wenigstens um180° drehen lässt. Beim Messen einer Kantengrosse legt mandas eine Linial fest an die eine Fläche an und drehet das an-dere bis es an der zweiten Fläche ebenfalls anliegt. Am Halb-kreise liest man dann, an der Stelle nämlich, wo die Seite desbeweglichen und verlängerten Liniais steht, die Grade ab, diedann die Neigung der beiden Flächen unmittelbar abgeben. Esversteht sich hierbei von selbst, dass die Schenkel der beidenLiniale, indem sie den Flächen anliegen, senkrecht zu der zumessenden Kante sind. Dieses Anlege-Goniometer gewährtnur eine, höchstens bis zu ?/ 2 Grad gehende Genauigkeit.

§. 40. Das Goniometer von Wollaston stützt sich darauf,dass die Flächen der natürlichen Krystalle glänzend und spie-gelnd sind. Das Instrument hat nun die Einrichtung, dass aneiner horizontalen Axe der Krystall so befestigt werden kann,dass die zu messende Kante, parallel der Axe des Instrumentesist. Mittelst der Axe lässt sich zugleich ein in Graden undMinuten getheilter Kreis bewegen. Lässt man nun auf der einenFläche ein Bild. z. B. ein Fenster auf eine bestimmte Weise