Druckschrift 
1 (1886) Die Alchemie bis zum letzten Viertel des 18. Jahrhunderts
Entstehung
Seite
10
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

10

Über die Ausführung der Metallveredlung.

auf unedle Metalle einwirkend er diese zu Silber werden lasse. Sollteauch Das nicht glücken so dachten Viele, den eigentlichenStein der Weisen zu gewinnen, welcher universal auf alle unedlenMetalle veredlend einwirkend jedes derselben in fast unbegrenzterMenge zu Gold umwandle, so sei doch Hoffnung dafür, ein s. g.Particular ausfindig zu machen: die Bereitung eines Präparates,welches auf ein oder auf ein anderes unedles Metall einwirkend einegewisse Menge des letzteren zu einem der edlen Metalle oder Silberzu Gold werden lasse (zeitige, war der übliche Ausdruck).Und nicht blofs sollte die Alchemie in edlem Metall die Mittel ge-währen, sich zu verschaffen was nur immer des Menschen Herz er-freuen kann, sondern auch diejenige Körperbeschaffenheit, welche zufrohem Geniefsen von allem Diesem befähigt; der Stein der Weisengalt auch für die Universalmedicin, die Panacee, und für das Lebens-elixir. Die Besitzer des Steins der Weisen sollten also in ihm auchdas Mittel haben, lange, selbst beliebig lange gesund und kräftig zubleiben.

Die Überzeugung, dafs die von der Alchemie in Aussicht ge-stellten Erfolge wirklich zu erlangen seien, und die dadurch geboteneVerlockung zu Versuchen, dieser Erfolge theilhaftig zu werden, wurdendurch Verschiedenartiges unterstützt, was hier in eingehender Weisedarzulegen ist. Ausführlicher ist über Einzelnes, dessen bereits kurzgedacht wurde, und über Anderes zu berichten, um ersehen zu lassen,auf was es beruhte, dafs die Beschäftigung mit Alchemie eine solange Zeit hindurch sich erhaltende und so verbreitete sein konnte,wie sie es gewesen ist.

Der Glaube an die Möglichkeit der Metallverwandlung und spe-ciell der Metallveredlung*), an die Existenz und die Wirksamkeit des

*) Weil in dem Folgenden einige Male darauf Bezug zu nehmen ist, magan dieser Stelle daran erinnert werden, dafs alchemistische Arbeiten zwar vor-zugsweise darauf hinausgingen, Gold künstlich entstehen zu lassen, namentlichandere Metalle in den Zustand des Goldes zu befördern oder vorwärts zubringen, manchmal aber auch in der Richtung angestellt wurden, Materie, diein dem Zustand des Goldes gegeben war, aus diesem Zustand herauszubringen