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Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmaceuten : mit 185 Abb.
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Elektrizität.

dauernde Erschütterungen des Äthers ausgelöst werden. Nachdem es gelungenist, bei ihnen Polarisations-, Beugungs- und Interferenzerscheinungen nachzu-weisen (letztere mittels Kristallen, die gewissermaßen natürliche molekulare„Gitter" vorstellen), nimmt man an, daß auch die Röntgenstrahlen auf trans-versalen Ätherschwingungen beruhen, die sich wellenförmig mit Lichtgeschwin-digkeit fortpflanzen. Und zwar sind die Wellenlängen der Röntgenstrahlendie kleinsten, die man kennt, nämlich je nach Qualität der Strahlen ca. 0,01—4 fift[vgl. § 135].

§ 209. Radioaktive Stoffe und Strahlen. Wenige Monate nach derEntdeckung Röntgens fand Becquerel, daß metallisches Uran undseine Verbindungen ohne äußere Einwirkung dauernd Strahlen aus-senden, die wie die Röntgenstrahlen photographisch wirksam sind,feste Substanzen durchdringen, Fluoreszenz erregen, und die Luftleitend machen, also in die Nähe gebrachte elektrisch geladeneKörper entladen. Man nennt derartige Strahlen radioaktive Strah-len (zuweilen auch nach dem Entdecker Becquerel- Strahlen) unddie Stoffe, von denen sie ausgehen, radioaktive Stoffe. Da diePechblende (ein uranoxydhaltiges Mineral) viel stärker radioaktivist als metallisches Uran, lag der Gedanke nahe, daß die Strahlen vongewissen Beimengungen des Urans ausgehen. Nach vielen mühsamenVersuchen gelang es 1898 dem Ehepaar Curie, als Träger der Radio-aktivität aus der Pechblende zwei Elemente zu isolieren, die demWismut bzw. Baryum nahestehen, das Polonium und Radium.Bald fand man noch weitere primär radioaktive Elemente, nämlichdas Aktinium (ebenfalls in der Pechblende), das Kalium und Ru-bidium.

Die stärkste Wirkung besitzt das Radium. Es gleicht chemischsehr dem Baryum, hat aber das Atomgewicht 226. Seine (anscheinendunbegrenzt) abgegebene Energie äußert sich — abgesehen von denausgesandten radioaktiven Strahlen (s. u.) — in Licht- und Wärme-erscheinungen : Radium leuchtet ohne vorherige Bestrahlung intensivim Dunkeln und strahlt in 1 Stunde pro Gramm 138 Grammkalorien aus.

Die von radioaktiven Substanzen ausgehende Strahlung ist nicht ein-heitlich, sondern enthält mindestens drei verschiedene Arten von Strahlen:Die a-Strahlen sind ein Analogon zu den Kanalstrahlen; wahrscheinlich be-stehen sie aus positiv geladenen Helium-Atomen. Die /?-Sirahlen entsprechenim wesentlichen den Kathodenstrahlen; doch ist ihre Geschwindigkeit einegrößere. Die y- Strahlen verhalten sich ähnlich wie die Röntgenstrahlen,besitzen aber ein viel stärkeres Durchdringungsvermögen.

Zur Messung der Radioaktivität benutzt man die Eigenschaft derradioaktiven Strahlen, die Luft zu ionisieren [vgl. § 212].

§ 210. Umwandlung der radioaktiven Stoffe. Als Ursache für dieEntstehung der erheblichen Energiemengen, die den radioaktivenStrahlungen und der dauernden Erwärmung des Radiums zugrundeliegen müssen, nimmt man jetzt allgemein einen Zerfall der Atome