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Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmaceuten : mit 185 Abb.
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Interferenz und Polarisation.

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also seine Bewegung erst beginnt oder eine halbe bzw. ganze Schwin-gimg zurückgelegt hat, so entsteht eine geradlinige Bewegung indiagonaler Richtung. Trifft endlich der zweite Impuls das Pendelauf der Strecke zwischen A und E bzw. E und B, so resultiert eineelliptische Bewegung. Genau dasselbe findet nun beim polarisiertenLichte statt. Wenn z. B. die beiden durch einen doppelbrechendenKörper hindurchgegangenen, senkrecht zueinander polarisierten Schwin-gungen sich wieder zusammensetzen, so hängt es allein von ihremGangunterschied ab, welche Form der Bewegung resultiert. Ist er= 0 oder beträgt er % Wellenlänge oder ein Vielfaches davon, soentsteht geradlinig polarisiertes Licht; beträgt er V 4 Wellen-länge oder ein ungerades Vielfaches davon, so entsteht kreisförmigpolarisiertes Licht, und für die Zwischenwerte elliptisch polari-siertes Licht. Für die beiden letzten Formen ist streng genommendie Bezeichnungpolarisiert" nicht ganz passend, da ja z. B. kreis-förmig polarisiertes Licht sich nach allen Richtungen gleich verhält.Es ist vom natürlichen Lichte nur dadurch zu unterscheiden, daß,wenn man den Gangunterschied seiner beiden Komponenten um %Wellenlänge erhöht oder erniedrigt, indem man es z. B. durch einentsprechend dickes Glimmerblättchen (Viertelwellenblättchen")schickt, geradlinig polarisiertes Licht entsteht.

§ 147. Drehung der Polarisationsebene. Ebenso wie unter Um-ständen aus zwei geradlinigen Bewegungen eine kreisförmige entsteht,kann jede geradlinige Bewegung als Resultante zweier gleichgroßer,entgegengesetzt gerichteter Kreisbewegungen aufgefaßt werden. Wir-ken z. B. auf das Teilchen a (Fig. 127) zwei gleiche Impulse in derRichtung der Pfeile, so wird es den Weg ab beschreiben.Setzt aber der nach links gerichtete Impuls später ein,wenn a schon in a' ist, oder wirkt er schwächer als dernach rechts gerichtete, dann resultiert die Schwingungs-richtung a'b' [vgl. § 16, 1]. In der Tat findet nun beimQuarz und einigen anderen festen Körpern, besondersaber bei vielen Flüssigkeiten (z. B. Lösungen von Zucker,Dextrin, Kampfei, Weinsäure, ätherische Öle usw.) eine Zerlegunggeradlinig polarisierten Lichts in zwei entgegengesetzt kreisförmigeBewegungen statt 1 . Und da sich hierbei letzere ungleich schnellfortpflanzen, so wird, wenn sie sich wieder zu geradlinig polari-siertem Lichte vereinigen, das letztere in einer anderen Ebeneschwingen, die Polarisationsebene wird also, wie man sagt, durchdiese optisch aktiven Substanzen gedreht sein, z. B. nach

Fig. 127.

1 Als Ursache nimmt man Besonderheiten im inneren Bau der Kristall-teilehen bzw. Flüssigteitsmoleküle an.