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1 (1920)
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Desinfectio.

Die zur Desinfektion zur Verfügung stehenden Hilfsmittel sind zum Theil physi-kalischer, zum Theil chemischer Natur. Von chemischen Desinfektionsmitteln besitzen wirzur Zeit eine wahre Legion. Nur wenige derselben aber haben sich der bakteriologischenKontrole gegenüber als geeignet erwiesen. Wir theilen im Nachstehenden diejenigenDesinfektionsmittel mit, welche in der Praxis in Anwendung gezogen werden.

1) Feuer. Durch vollständige Verbrennung können natürlich alle pathogenen Or-ganismen mit völliger Sicherheit vernichtet werden. Man wird daher zweckmässig ver-brennen: Kleinere Gegenstände von geringerem Werth, z. B. gebrauchtes Verbandmaterial,Hadern, Lappen, Lumpen, Kehricht, Müll, Brot, welches zum Abreiben von Tapeten oderWandflächen gedient hatte. Desglehhen Bettstroh, Holztheile aus verseuchten Tliierställen,stark verschmutzte Wäsche, deren Werth ein geringer ist. Das Verbrennen erfolgt ent-weder in einer hinreichend grossen Feuerung, z. B. unter einem Dampfkessel, oder auchauf einem im Freien zu errichtenden Scheiterhaufen.

Es ist hierbei Sorge zu tragen, dass durch grössere oder leicht zerstreubare Objektedie Infektionserreger nicht verschleppt werden. Man schlägt deshalb z. B. Bettstroh inmit Sublimatlösung befeuchtete Tücher oder Säcke ein und befördert es auf diese Weisezur Verbrennungsstelle.

Unter diese Abtheilung würde auch gehören das Verbrennen von Müll und vonExkrementen in eigens hierzu konstruirten Oefen.

2) Kochen in Wasser. Durch 5 10 Minuten langes Kochen (!) in Wasserwerden mit Sicherheit alle Krankheitskeime getödtet Da Zusatz von Salzen die Siede-temperatur des Wassers erhöht, so kann man dem Wasser, in welchem man die betreffen-den Objekte kocht, einen Zusatz von Kochsalz oder Soda (2 Proc.) geben.

Man kocht daher alle Objekte, welche durch diesen Process nicht leiden, also z. B.Instrumente, Essbestecke, ferner Wäsche etwa 1 Stunde lang mit Wasser. Zusatz von2 Proc. krystallisirter Soda zum Kochwasser ist bei Wäsche zu empfehlen. Auch Stuhl-gänge werden in einigen Krankenhäusern durch etwa einstündiges Kochen desinficirt, wo-bei indessen ekelhafter Geruch auftritt.

In den Catillerien (Abdeckereien) der Schlachthöfe werden die verworfenen Fleisclt-theile durch Kochen unter 45 Atmosphären Druck unschädlich gemacht und zu Fleisch-mehldünger, Blutmehldünger, Leimdünger verarbeitet.

Bei voluminösen Objekten ist es natürlich notbwendig, die Zeit des einstündigenKochens von da an zu rechnen, wenn die betr. Objekte bis in ihr Inneres auf die Tem-peratur des siedenden Wassers gebracht sind.

3) Dämpfen. Strömender Wasserdampf von 100°O, also Wasserdampf unter ge-wöhnlichem Drucke tödtet binnen 1015 Minuten, Wasserdampf von 110120° C. tödtetbinnen 25 Minuten mit Sicherheit alle pathogenen Bakterien. Zur Desinfektion mitströmendem oder gespanntem Wasserdampf sind besondere Desinfektionsapparate kon-struirt worden. Man erhitzt in diesen Apparaten je nach der Dampfspannung, mit wel-cher sie arbeiten, die Objekte 1030 Minuten lang. Um sich zu vergewissern, dass diezu erzielende Temperatur auch im Centrum dos Apparates oder im Innern eines Bündelsoder dergl. erreicht ist, bettet man in die Objekte Kontakt-Thermometer ein, welche ein elek-trisches Klingelsignal auslösen, sobald das Thermometer die Temperatur erreicht hat, auf welchees eingestellt ist. Dieser Art der Desinfektion werden namentlich gefärbte Stoffe, Klei-dungsstücke, Matratzen, Decken, Betten unterworfen, auch Pelzwerk, welches indessendarunter etwas leidet.

4) Seifenlange. 1 kg Kaliseife wird in 1015 Liter Wasser gelöst. In dieseLösung werden Wäsche und waschbare Gegenstände 24 Stunden eingelegt, dann mit 2 pro-centiger Sodalösung ausgekocht. Mit derselben Seifenlösung werden Holztheile (Sitzbrettervon Aborten), soweit sie abwaschbar sind, gründlich abgescheuert. Auch Hadern, Wisch-lappen und dergl. werden, soweit sie nicht zu verbrennen sind, in diese Seifenlösung ein-gelegt und später ausgekocht.

5) Karbolsäure. Die 3procentige wässerige Lösung der lOOproeentigen Karbol-säure tödtet bei genügend langer Einwirkung alle pathogenen Bakterien, nicht aber mitder gleichen Sicherheit deren Dauerformen (Sporen). Der Sicherheit wegen wendet manhäufig die Sprocentige, energischer wirkende Lösung an. Man benutzt diese Lösungenzur Desinfektion der Hände, der Haupt- und Barthaare, von Wäsche uud waschbarenGegenständen, z. B. von Oelanstrichen an Holz und Wänden, Fussböden, ferner zum Ab-waschen von Leichen, Befeuchten von Tüchern, in welche letztere gehüllt werden sollen.

Roho Karbolsäure ist um so weniger wirksam, je mehr sie Kohlenwasserstoffe enthält.

6) Kresolseifenlösung. Wird in einer Verdünnung von 1:10 bis 1:20 in jenenFällen angewendet, in denen man Seifenlösung oder Karbolsäurelösung anwendet.

7) Kalkmilch. 1 Th. frischgebrannter Aetzkalk ist zunächst mit 1 Th. Wasser ab-zulöschen, schliesslich setzt man noch 3 Th. Wasser zu. Ist entweder frisch zu bereiten