Druckschrift 
1 (1900)
Entstehung
Seite
428
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

428

Ati'opinum sulfuricum.

Antidot. Solange das Gift noch im Magen ist: Tannin, Jod, Kohlepulver mitnachfolgender Anwendung der Magenpumpe. Nach der Resorption werden als physio-logische Antidote Morphin und Physostigmin empfohlen.

Nachweis. Nach einer Atropin- (Hyoscyamin- oder Hyoscin-) Vergiftung sind diegenannten Alkalo'ide vorzugsweise im Magen, Darm, Blut und Harne aufzusuchen. BeiEinhaltung des STAS-OiTO'schen Ganges gehen nur Spuren von Atropin in die ätherischeAusschüttelung aus saurer Lösung; die Hauptmenge geht in die ätherische Ausschüttelungaus alkalischer Lösung über. Arbeitet man nach Dragendorit, so geht das Atropin ausder ammoniakalischen Lösung in die Benzol-Ausschüttelung über. Die nach Verdunstender Lösungsmittel erhaltenen Rückstände prüft man zunächst bezüglich ihrer Wirkung aufdas Katzenauge, dann mittels der ViTALi'schen Reaktion. Erst hierauf soll man weitereReaktionen anstellen. Das Atropin widersteht der Pänlniss einige Zeit, z. B. mehrereWochen.

Atropinum sulfuricum.

I. f t Atropinum sulfuricum (Austr. Germ. Helv.). Sulfate d'atropine (Gall.).Atropinae Sullas (Brit. U-St). Atropinsulfat. Schwefelsaures Atropin. (C 17 H. 23 X0 3 ):-H,S0 4 . Mol. Gew. = 676.

Darstellung. In einer Schale aus Porcellan mischt man 1 Th. verdünnterSchwefelsäure (von 16 Proc. H. 2 SO.j) mit 2 Th. Weingeist, macht etwas mehr als lau-Warm und setzt dann nach und nach soviel Atropin (1 Th.) unter Umrühren hinzu,bis nach geschehener Auflösung die Flüssigkeit neutral oder kaum merklich alkalischreagirt. Die Flüssigkeit wird nun im Wasserbade oder an einem ca. 50° 0. warmen Ortebis auf den dritten Theil des Volumens abgedampft und an einem lauwarmen Orte aus-getrocknet, denn das Salz geht nur langsam aus dem amorphen in den krystallinischen Zustandüber. Um es nun in die Dorm eines schön krystallinischen Pulvers zu bringen, löst man'das gut ausgetrocknete Sulfat unter Erwärmen in ca. der 20fachen Menge wasserfreiemWeingeist und überlässt die Lösung an einem kaum lauwarmen Orte der freiwilligen Ab-dunstung. Oder man löst das ausgetrocknete Atropinsulfat in einem Kölbchen in der20fachen Menge möglichst wasserfreiem Weingeist unter Erwärmen auf höchstens 50° C.oder in soviel Weingeist, dass man eine koncentrirte Lösung erlangt. Nachdem die Lösungauf ungefähr 35° C. erkaltet ist, giesst man sie unter sanftem Agitiren in ein 4fachesVolumen Aether, welchen man durch Chlorcalcium völlig entwässert hat und der sich ineinem becherförmigen Gefässe befindet. Nachdem man mit einer geringen Menge wasser-freiem Weingeist die in dem Kölbchen an der Wandung hängengebliebene Lösung auf-genommen und dem Aether zugesetzt hat, giesst man noch ebensoviel Aether dem Volumnach hinzu, als das Becherglas bereits Flüssigkeit enthält, rührt sanft um und stellt dasGefäss dicht bedeckt an einen kalten Ort. Nach Verlauf eines Tages setzt man auf einenStehkolbon einen Trichter, dessen Abflussöffnung mit einem Dütchen von Fliesspapier lockergeschlossen ist, und giebt in den Trichter den ätherhaltigon Krystallbrei aus dem Becher-glase. Was vom Salze etwa an der Wandung des Becherglases hängen bleibt, lässt mansitzen und freiwillig abdunsten und trocken werden. Den nach dem Ablaufen des Aethersin dem Trichter verbliebenen Krystallbrei wäscht man durch Aufgiessen von etwas wasser-freiem Aether ab und breitet ihn dann auf einem flachen G-lasgefässe aus. Nach dem frei-willigen Abdunsten des Aethers verbleibt das Atropinsulfat als eine sehr weisse, aus sehrkleinen Krystallen bestehende Masse zurück. Zum Gelingen der Darstellung sind möglichstwasserfreier Weingeist und wasserfreier Aether nothwendig, und dann auch zur Bildungder Kryställchen eine Temperatar von weniger als 12° C. Im anderen Falle erhält manein Sulfat, welches zu mehr als der Hälfte seiner Masse amorph ist.

Eigenschuften. Das Atropinsulfat ist ein weisses, aus feinen Nädelehen bestehendesPulver, gewöhnlich kommt es in mattweissen, krystallinischen Massen in den Handel. Esgiebt mit gleichviel Wasser oder 3 Th. 90procentigem Weingeist oder 30 Th. absolutemV emgeist klare, farblose, neutrale Lösungen. In Chloroform, Aether, Schwefelkohlenstoff,Benzol ist es fast unlöslich. Die Lösungen besitzen sehr bitteren, widerlichen, Uebelkeiterregenden Geschmack. Eine lOproccntige Lösung, mit destillirtem Wasser bereitet, istin dichtgeschlossenem Gefäss und vor Licht geschützt, unveränderlich. Es schmilzt gegen1R3°C. Das Hyoseyaminsulfat schmilzt bei 206° C. Erhitzt, schmilzt das Atropinsulfat