Druckschrift 
1 (1900)
Entstehung
Seite
427
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

:

.2

Atropinum.

427

5) Wird Atropin mit einer Mischung' von Kaliumdichromat und Schwefelsäure derDestillation unterworfen, so verflüchtigt sich Benzoesäure.

li) Die wichtigste Reaktion für das Atropin (und Hyoseyamin) bleibt immer dessenEigenschaft, die Pupille zu erweitern. Bei einem etwaigen Versuche atropinisire man daseine Auge einer Katze und vergleiche dann beide Pupillen, Kaninchen eignen sieh zumAnstellen dieser Reaktion nicht.

Prüfung. 1) Das Atropin bilde farblose Krystalle, welche nach dem Trocknenüber Schwefelsäure bei 115,5° C. schmelzen, t) In konc. Schwefelsäure löse es sich ohneFärbung; diese Lösung werde auch durch Zusatz von etwas Salpetersäure nicht verändert(fremde Alkaloide). 3) Erhitzt verbrenne es, ohne einen Rückstand zu hinterlassen.

Aufbewahrung. Sehr vorsichtig, unter den direkten Giften, AbtheilungAlka-loidia". Zur äusserlichen Anwendung bestimmte Atropinlösuugen sind nach mehrfachenVerordnungen zu versiegeln und mit einem Giftetikett zu versehen.

Anwendung. Die freie Atropinbase findet höchst selten einmal medicinischeAnwendung, sie wird in allen Fällen mit Vortheil duren die leichter löslichen Salze ersetzt.Höchstgaben: pro dosi 0,001 g, pro die 0,003g.

CoHyrium atropinieum FanoRp, Atropini 0,05

Aquae destillatae 150,0.Bei Iritis dreistündlich die Cornea zu baden, Gilt-etikett.

Ulycerinum Atropini.Rp. Atropini 0,1Glycerini 20,0.

Injectio antieclampsiatica Divet.Rp. Atropini

Morphini ää 0,05

Aquae destillatae 10,0

Acidi hydrochlorici gtt, 2.Zur Injektion bei Eclampsie Gebärender. l'nzweck-mässige Vorschrift. Die beiden freien Basensind, unter Hinweglassung der Salzsäure zweck-mässig in Form der schwefelsauren Salze anzu-wenden.

Pilulae Atropini.Rp. Atropini 0,05

Sacchari albiGummi arabici ää 5,0tiant cum Aqua glycerinuta pilulae 100. Jede Pilleenthält U,0Ü05 g Atropm. Mit Taleum venetumauszurollen.

Pulvis Atropini.

Rp. Atropini 0,05

Sacchari 30,0

üivide in partes 100 Jedes Pulver enthält 0,0005 g

Atropin. 23 Pulver täglich bei Keuchhusten

Aber niemals Kindern!

Sirupus Atropini ßoucirARDAX.

Rp. Atropini 0,1

Sirupi simplicis 1000,0

Acidi hydrochlorici gtt. V.

10,0 g Sirup enthalten die Maximalgabe 0,001 ^

Atropin.

Cnguentum Atropinae (Brit.i.

Rp. Atropini 0,5

Acidi oloi'nici 2,0Adipis 22,5.

Toxikologisches. Atropin wirkt auf das centrale Nervensystem zunächst erregend,dann lähmend. Charakteristisch ist für die Wirkung des Atropins eine Erweiterung derPupille (Mydriasis), welche sowohl nach dem Einträufeln einer verdünnten Lösung insAuge, als auch nach innerer Darreichung eintritt und die Folge einer Lähmung der Endignngendes Nervus oculomotorius ist, wodurch die Accomodation aufgehoben wird. Innerlichwirkt es als starkes Narkoticum. Man giebt es: Aeusserlich als Einträufelung in dieAugen als wässerige Lösung 1,0:200,0. Subcutan: in Gaben von 0,000.30,001 g, beiNeuralgien, Krämpfen. Innerlich in Gaben von 0,00050,001 g zwei bis dreimal täglichgegen die Nachtschweisse der Phthisiker. Höchste Gaben: pro dosi 0,001 g, pro die0,003 g.

Als tödtliche bez. gefährliche Gaben gelten 0,050,2 g. Die nach 510 Minutenauftretenden Vergiftungserscheinnngen sind fieberhafte Aufregung, Trockenheit im Halse,Röthe des Gesichts, funkelnde Augen mit herabhängenden Lidern oder vorstehendenglotzenden Augäpfeln, stets starke Erweiterung und Unempfindlichkeit der Pupille, Er-brechen, freiwilliger Stuhlgang, Stimmlosigkeit, Aufhören des Hör- und Tastvermögens,Sopor. In 624 Stunden erfolgt der Tod. In Wunden eingetragen oder subkutan applicirt.überhaupt nach irgendwie erfolgter Resorption, treten ähnliche Erscheinungen ein, niemalsfehlt aber die Erweiterung der Pupille. Die Ausscheidung des Atropins erfolgt haupt-sächlich durch den Harn im unveränderten Zustande.