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1 (1900)
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Arsenum.

führten, andere, in denen nach Genuss grosser Mengen (in Breslau ging vor zwei Jahrenein Fall in Genesung über, in welchem ein Mann 250 g Schweinfurtergrün genommenhatte) Wiederherstellung eintrat. Thatsächlich liegen die Verhältnisse so: Wenn ein Menscheine gewisse Menge eines Arsenpräparates einnimmt, also z. B. 0,09 g weissen Arsenik, 1 )so tritt zunächst eine Intoxikation ein. Ob diese in Genesung übergeht oder zum Todeführt, hängt von Umständen (voller Magen, leerer Magen, Resorptionsverhältnisse, indi-viduelle Disposition) ab, welche niemand vorher beurtheilen kann. Es wäre u. E. durch-aus falsch, eine Gabe von 0,09 g als nicht tödtlich zu bezeichnen. Diese Erörterung istwichtig, weil sehr häufig vor Gericht die Frage gestellt wird, ob eine bestimmte Gabe alstödtlich anzusehen ist oder nicht.

Trotzdem ist der Sachverständige natürlich gezwungen, die mittleren tödtlichenGaben kennen zu lernen. Als solche werden angesehen: 0,1 g Arsenigsäure-Anhydrid, 1,0 gtechnisches Schwefelarsen, 2,0 g Schweinfurtergrün.

Untersuchung' von Leichentheilen. Besteht der Verdacht einer Vergiftung durchArsenik, so kann unter Umständen schon die äussere Besichtigung der Organtheile wertli-volle Fingerzeige geben. Die Magenschleimhaut ist in der Regel geröthet, die event. dabeibefindliche blutige Flüssigkeit ist hellroth gefärbt. Fäulnissgeruch ist in geringerem Maasseals bei nicht mit Arsenik Vergifteten vorhanden. Man breitet den Magen auf einer sauberenPoreellanschale so aus, dass die Schleimhaut oben Hegt und untersucht, ob auf der Schleim-haut etwa weisse Partikel aufsitzen, wobei man namentlich auch die Falten der Schleimhaut zuprüfen hat. Sind solche verdächtige Partikel vorhanden, so werden sie auf einem Uhrglasegesammelt. Ebenso sieht man zu, ob sich etwa aus dem flüssigen Theile specifisch schwereweisse oder gelbliche Körnchen zu Boden gesetzt haben. Solche Partikel wären nach demAbspülen sogleich durch Erhitzen mit Kohle im Glührohre nach S. 388 und durch Auf-lösen in Salzsäure und Einleiten von Schwofelwasserstoff zu prüfen. Täuschungen könnenerfolgen durch erstarrte Fettkügelchen, durch Gries und ähnliche Bestandtheile der Nah-rung. Das Blut ist nach Arsenvergiftungen dunkelkirschroth und hält sich über die nor-male Zeit hinaus ohne erheblichen Fäulnissgeruch.

Hat die Vorbesichtigung Arsenik in Substanz auffinden lassen, so sucht man diesenmit der Pincette oder durch Sedimentiren zu sammeln. (In einem Falle wurden 25 gArsenik mit der Pincette aus einem Mageninhalt isolirt.) Man bestimmt alsdann das Ge-wicht und stellt den Procentgehalt einer Durchschnittsprobe entweder gewichtsanalytischoder maassanalytisch fest. Die von der Hauptmenge des Arseniks befreiten Organtheileoder, wenn sich Arsenik mechanisch nicht auslesen Hess, die ursprünglichen Organtheilewerden nun weiter verarbeitet. Man sucht zunächst eine leicht zu. behandelnde Lösung,die sog.Giftlösung" herzustellen. Das kann nach verschiedenen Verfahren geschehen,von denen im Folgenden die zuverlässigste Methode angegeben werden soll. Bemerkt sollschon hier werden, dass alle bei den folgenden Operationen zu gebrauchenden Reagentienund Gefässe bez. Apparate absolut frei von Arsen sein müssen, worauf wir noch zurück-kommen werden.

Herstellung der Giftlösung. Ist das Untersuchungsobjekt eine dünne Flüssig-keit, so macht man sie, wenn sie sauer reagiren sollte, mit Natriumkarbonat schwachalkalisch und dampft sie auf dem Wasserbade zur Sirupkonsistenz ein. Konsistentere Ob-jekte werden mit einer starken Scheere zerkleinert. Dann bringt man den sirupösen Ab-dampfrückstand oder die zerkleinerten Massen in Mengen von 150200 g (falls sovielMaterial überhaupt vorhanden ist) in einen Kolben von etwa 1 1 Fassungsraum, übergiesstsie in diesem mit etwa 3500 com absolut arsenfreier Salzsäure (s. S. 57) so dass eindünner Brei entsteht und erwärmt den Kolben auf dem Wasserbade. Wenn der Inhalt lau-warm geworden ist, giebt man von Zeit zu Zeit klein e Mengen chlorsauren Kalis (jedesmaletwa 0,5 g) unter Umschütteln dazu. Dies setzt man solange fort, bis die Organtheile bisauf geringe Rückstände in Lösung übergegangen sind. Bei Magen und Darm ist dies inverhältnissmässig kurzer Zeit geschehen, bei Lunge, Leber, Herz dauert es etwas länger,beim Gehirn muss man darauf verzichten, eine vollständige Lösung zu erzielen, weil dieCholesterinfette sehr schwer zu spalten sind. Hier muss man sich damit begnügen, durchdie geschilderte Behandlung alles Lösliche in Lösung gebracht zu haben. Wenn also dieOrgantheile der Hauptsache nach in Lösung gegangen sind, lässt man erkalten, filtrirt als-dann durch ein genässtes Filter und wäscht mit heissem Wasser nach. Man erhält bei Magen,Darm und Gehirn ein hellgelbes, bei Lunge und Leber, überhaupt blutreichen Organen,ein etwas dunkleres Filtrat, wenn man richtig operirt hatte. (Im Falle man in Schalenarbeitet und zu weit eindampfen lässt, fallen die Filtrate stets sehr dunkel aus.)

l ) Das von mir gewählte Beispiel ist aus dem Leben gegriffen. Es handelte sichdarum, ob 0,09 g Arsenik als tödtliche Gabe anzusehen seien. Zwei medicinische Sach-verständige verneinten sie, weil in der Litteratur die tödtliche Gabe zu 0,1 g angegebensei, ich selbst erklärte die Gabe aus den oben erwähnten Gründen für tödtlich. B. Fischek.