114
Sommerfeld: Ein kurzer Beitrag zur Kenntnis usw.
Fasse ich das Ergebnis des zweiten Kapitels kurz zusammen,so kann es nur folgendermassen formuliert werden: Die vonSchmoel an Fleischfressern gefundene sogen, hydro-pische Degeneration der Herzmuskelfasern ist an Ka-ninchen und Meerschweinchen weder bei grosser nochbei kleiner, d. h. eben nur letaler Dose nachweisbar.Sie kann daher bei der Vergiftung von Haustieren durchFutterkuchen nicht benutzt werden, um auf Abrinbei-mengung zu schliessen.
Die makroskopischen Befunde der Abrusvergiftungbei Kaninchen und Meerschweinchen nach subkutanerEinspritzung sind denen bei Eizinus recht ähnlich, sodass man beide Vergiftungen bei diesen Tieren undvermutlich auch bei andern Pflanzenfressern durch denmakroskopischen Befund oft nicht zu unterscheidenimstande sein dürfte. Bei beiden Vergiftungen pflegt es zuSchwellung der Lymphknoten in der Bauchhöhle undzu kleinen, aber oft sehr zahlreichen Blutaustritten, besondersim grossen Netz, zu kommen, auch wenn das Gift mit Umgehungdes Darmkanales injiziert worden war.
Die mikroskopische Untersuchung der abdominellenOrgane der Kaninchen und Meerschweinchen, die durch Abrus-samenauszug von mir vergiftet worden waren, ergab degene-rative Alteration der Lymphknoten und der follikulärenApparate des Darmkanales, die primärer Natur zu seinscheint. — In der Leber konnten besondere Veränderungennicht gefunden werden. — In der Niere kommen Blutaustritteins Gewebe und Zylinder in einzelnen Abschnitten des Kanal-systems vor. Meist sind die Zylinder homogen.
Im grossen und ganzen erinnert das Bild sowohlder Rizinvergiftung als das der Abrinvergiftung andas durch bakterielle Toxine, wie dieses auch immerschon behauptet worden ist.