Druckschrift 
2 (1913)
Entstehung
Seite
109
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Ein kurzer Beitrag zur Kenntnis der Wirkungen des Abrins. 109

Mikroskopischer Befund.

Niere: Glomeruli blutreich, keine Exsudate in der BowmannschenKapsel. Epithel der Tubuli contorti unverändert, Kernfärbung überall deutlich,keine Zylinder im Lumen. Nierenpapille normal. Im interstitiellen Gewebefinden sich Blutaustritte, die die Harnkanälchen auseinanderdrängen. Teilsliegen die Blutungen anschliessend an mittlere Arterien, teils frei im Inter-stitiuin; die einzelnen Blutungen sind nicht gross.

Schnitt durch den Placque an der Bowmannschen Klappe:Schleimhaut und Epithel unverändert, Lymphfollikel sehr zahlreich. Mehr-kernige Leukocyten nur wenig vorhanden. Vereinzelte Zellen in der Mitteder Follikel zeigen Kernzerfall, sonst nichts auffallendes. In der Schleimhauteinige eingekapselte Nester von Psorospermien.

Schnitt durch das ödematöse Coecum: Epithel unverändertebenso die Muskularis; die Submukosa ist sehr verbreitert, zellarm und das'Bindegewebenetz durch Flüssigkeit auseinandergezogen. Die Gefässe sindwenig gefüllt. Es fällt auf, dass in Arterien und Venen die roten Blut-körperchen nur mangelhaft gefärbt sind und undeutliche Struktur aufweisenKeine Thrombose, kein Austritt von roten Blutkörperchen ins ödematöseGewebe.

Mesenteriale Lymphdrüsen: Die Lymphfollikel sind blutreich undenthalten sehr viele mehrkernige Leukocyten. Im Bereiche der Ansammlungender roten Blutkörperchen sieht man reichlich Leukocyten mit zerfallenenKernen und frei im Gewebe liegende Kerntrümmer. Die Lymphsinus sindstark erweitert; man findet in ihnen kleine einkernige Zellen, reichlich mehr-kernige Zellen, die vielfach Zerfallerscheinungen aufweisen, intensiv gefärbtefreiliegende Kerntrümmer, rote Blutkörperchen und sehr reichlich grosse Zellenmit hellem Protoplasma und grossen hellen ovalen bis rundlichen Kernen. ImProtoplasma dieser Zellen, die anscheinend abgestossene Endothelien derLymphsinus vorstellen, sieht man Haufen zusammengebackter roter Blut-körperchen, die das Protoplasma dann stark auftreiben; öfters enthält dasProtoplasma eine amorphe, gelbbraune körnige Masse (wohl Hämosiderin).

Im ganzen macht das Bild bei der hier vorliegenden1 7 2 tägigen Vergiftung eines Kaninchens den Eindruck einerprimären Schädigung des lymphatischen Apparates.Ferner finden sich in der Niere Blutaustritte. Grobe sonstigeVeränderungen fehlen.

II. Weisses Kaninchen von 1030 g.

1. Juli. Subkutan 2 ccm eines 2°/ 0 igen Abruserbsenauszuges (also40 mg Same, d. h. 38.8 mg Same pro kg Tier).

2. Juli. Nach vollständigem Wohlbefinden plötzliche Krämpfe Nach30 Min. tot.

Sektion: Im Netz einige kleine Blutaustritte. Starke Schwellungder sehr blutreichen Mesenterialdrüsen, leichte Hyperämie des Dünndarmssonst makroskopisch nichts Auffallendes.

Mikroskopischer Befund.Niere: Glomeruli unverändert, frei von Exsudaten; Tubuli contortiohne Zylinder, Epithel gut erhalten; in den Sammelröhren einige kleine Zylinder;in Kinde und Mark diffus zerstreut zahlreiche interstitielle Blutungen.