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verleiten könnten, ist nicht weniger misslich. Das Verschwin-den schmerzhafter Leiden, welches durch Aderlassen erzieltist, wird nur zu oft auf die darauf folgende grosse Schwächedes Kranken, oder wol gar durch dessen unvermutheten Tod,als ein böser, nicht zu verbessernder Missgriff des Arztes, wonicht von diesem selbst, doch von den, zuweilen unbefange-nem Freunden des Kranken erkannt.
Wie nöthig wäre es also, dass wir sichere Zeichen derersten Entstehung der Eisenaffektion hätten! Nur sie könntenuns befähigen, in jedem Falle die schnell verlaufenden Fieberaus dem ersten Zeiträume gleich in den der Genesung zu führen.Wir haben aber solche Zeichen nicht. — Was ist dabei zuthun? Können wir die ewigen Gesetze der Natur verändern?Sollen wir, die wir alt sind, von deren Erfahrung jüngereAmtsbrüder Belehrung erwarten, über die Unsicherheit unsererErkenntniss ein vieldeutiges Schweigen beobachten und so zuVerräthern an unseren jungen Kollegen werden? Nein! nein!da sei Gott vor. Wer als praktischer Schriftsteller die Lückenund Unvollkommenheiten seiner Kunst mit deutlichem Be-wusstsein, aus Eigenliebe und Prahlhanserei absichtlich ver-hehlet, der ist, meines Erachlcns, ein grosser Schelm: weraber selbst einen solchen bücherlich vernagelten Kopf hat, dasser sich einbildet, die akuten Fieber müssten nothwendig ge-wisse Zeiträume der Verschlimmerung durchlaufen, dem kannder strengste Sittenrichter weder die Gefahr, in die er durchseine Anschläge die Kranken stürzt, noch den Tod derselbenzurechnen. Wir schlicht verständige Praktiker, die wir ansolche Mährchen nicht glauben, schreiben die Verschlimmerung,die zuweilen die Fieberkranken bei unserer Behandlung unter-gehen, der Unvollkommenheil der Kunst zu, und zwar einerUnvollkommenheit, die nicht in der Unweisheit oder Nach-lässigkeit der mit und vor uns lebenden schriftstellenden Aerzte,sondern in der Natur selbst begründet ist.
Indem ir uns diese Unvollkommenheit der Kunst unddie Unmöglichkeit, selbige zu berichtigen und zu ergänzen,deutlich denken, mahnet uns dieses deutlich Gedachte zurVorsicht bei der Behandlung akuter Krankheiten. Es würdewahrlich thöricht sein, wenn wir, weil wir keine ganz sichere