§ 2. Die Wurzeln.
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Die eingehende Erörterung dieser Verhältnisse ist deshalb nötig, weileine Reihe von offizinellen Wurzeln einen anormalen Bau besitzt, dessenVerständnis nur auf einer breiteren Grundlage allgemeiner anatomischerKenntnisse von dem Wurzelbau möglich ist.
o) Die Monokotyledonenwurzeln von normalemanatomischen Baue.Die Spitze der unverletzten Monokotyledonenwurzeln wird von dem,durch die Wurzelhaube bedeckten, in lebhafter Teilung begriffenenprimären Meristemgewebe eingenommen. Die jeweilig an der Basis desVegetationspunktes der Wurzel liegenden Zellchen des Urmenstems streckensich ziemlich schnell und bilden sich nach und nach zu den definitivenZellformen aus, welche die ausgewachsene Wurzel aufbauen Schon1-2 cm hinter der Spitze der Wurzel ist das Gewebe der Wurzel inallen Teilen fertig ausgebildet. Die wachsende Region der Würze istzart, brüchig und fällt beim Trocknen sehr zusammen; sie wird beimSammeln und Zubereiten der Droge fast stets zerstört und ist tur dieDiagnose der Wurzel ohne Bedeutung, so dafs wir uns hier nur mit demBaue der ausgewachsenen Teile der normalen Monokotyledonenwurzeln zu
beschäftigen haben. , .
Betrachtet man einen Querschnitt und einen radialen Längsschnittirgend einer der dünneren Monokotyledonenwurzeln, z. B. einer Wurzelvon Iris germanica, Acorus Calamus, Veratrum album, Tnticum repens,einer Smilax-Species, so erkennt man sehr leicht den folgenden Bau der-selben. Man findet die Wurzel zuerst stets bedeckt von einer Epidermis/i>, Fig. 155, aus meist längsgestreckten, zartwandigen Zellen. Schon inder kurz hinter dem Vegetationspnnkt stehenden Epidermisregion wachstdie Aufsenwand aller oder zahlreicher Epidermiszellen zu Würze haarenaus, welche aber meist bald absterben und zerstört werden, so dals siean älteren Wurzelteilen nicht mehr zu finden siud.
Unter der Epidermis findet man dann ferner in fast allen Fallen eineeinfache oder aus mehreren Zelllagen bestehende Schicht lückenlosschliefsender Zellen verschiedener Form, die Wurzelhypodermis(Fig. ]55, H). An die Hypodermis schliefst sich das Rindenparenchym.Das Rindenparenchym besteht aus mehr oder weniger zahlreichen kouz ^frischen Zelllagen; die Elemente der successiven Zellagen sind dabeihäufig zu regelmäfsigen radialen Reihen angeordnet. Zwischen ihren ab-gerundeten Kanten lassen die Zellen luftführende Intercellularräume.
Mit Beziehung auf die bei äufserst wenigen Wurzeln von Monokoty-ledonen, z. B. der Dracäna-Arten, und bei fast allen Dikotyledonen-wurzeln vorkommende „sekundäre" Wurzelrinde kann man auch dasRindenparenchym der Monokotyledonenwurzeln als „primäres" Rinden-parenchym bezeichnen, die bis jetzt erwähnten Bestandteile der Wurzelprimäre Rinde nennen. Das Rindenparenchym (p, Fig. 155) grenzt ge-