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§ 5. Die Adventivsprosse und Adventivwurzeln.

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ein und derselben Pflanzenspecies wesentlich gleich, und man ist danachim stände, für jede Species ein zusammenhängendes Schema der Ent-wicklungsgeschichte des normalen morphologischen Baues zu entwerfen.

§ 5. Die Adventivsprosse und Adventivwurzeln.

Wie wir gesehen haben, läfst sich für jede Pflanzenspecies ein Schemader normalen Morphologie feststellen; für Folge und Stellung aller Organelassen sich bestimmte einfache Regeln angeben. In einzelnen Fällen siehtman jedoch neben den nach den Regeln der Morphologie gestellten Wurzelnund Sprossen solche an der Pflanze auftreten, für deren Stellung und Folgesich keine bestimmte Regel finden läfst, oder deren Stellung mit denRegeln der Morphologie nicht übereinstimmt; derartige Wurzeln und Sprossenennt man Adventivwurzelu und Adventivsprosse. Bei fast allen Pflanzenläfst sich 1. unter anormalen Lebensbedingungen die Entstehung vonSprossen und Wurzeln an anormalen Orten der Pflanze beobachten. Trennenwir z. B. ein Laubblatt von der Pflanze los und legen es auf feuchte Erde,so treten häufig an demselben Wurzeln auf, welche dann also an einemOrte stehen, an dem sie während des normalen Entwicklungsganges derPflanze nie entstanden wären. Man findet aber auch weiter 2. noch Ad-ventivsprosse und Adventivwurzeln, welche im normalen Lebensgange jedesIndividuums einer Species auftreten und sogar ganz bestimmterer anor-male Stellung einnehmen können. So bilden sich stets an den Wurzelnvon Psychotria Ipecacuanha unregelmäfsig gestellte Sprosse; ebensolchefinden sich auf den Wurzeln der Pappel. Bei Cardamine pratensis bildensich im Laufe der Entwicklung an den unteren Laubblättern Adventiv-sprosse m akropetaler Folge, an jedem Fiederblättcheu da, wo die Seiten-nerven m den Mittelnerv des Blattes einmünden. Ebenso bilden sichdiesen Stellen Adventivwurzeln. Bei manchen Pflanzen treten fernerdem hypokotylen Gliede der Keimflanze, unterhalb der Kotyledonen Adventivsprosse auf, so z. B. bei Linaria vulgaris. Auch an anderen Achsen-teüen entstehen häufig Adventivsprosse. So kann man z. B. die accesso-rischen Sprosse, welche neben dem einen normalen Sprosse in der Achseldes Deckblattes bei Carpinus hetulus etc. und die kollateral aucreWtenzahlreichen Sprosse m den Achseln der Zwiebelblätter des Knoblauchsentstehen, als Adventivsprosse bezeichnen.

Aus dem Gesagten geht hervor, dafs der Begriff der Adventivbildungenkein scharf umgrenzter ist, dafs wir auch bei der Anwendung des Wortesimmer klar darüber sein müssen, dafs dasselbe nur einen bequemen Aus-druck für die von dem normalen Schema abweichenden Fälle bildet.

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