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Lehrbuch der Pharmacognosie des Pflanzen- und Thierreichs : im Anschluß an die 2.Ausg. der Pharmacopoea Germanica für Studirende der Pharmacie, Aphotheker und Medicinalbeamte
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Bulbus Scillae. Meerzwiebel.

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während in Portugal, Spanien, Malta, Cypern und Kleinasiendie Varietät mit weissen Schalenblättern vorzugsweise oder ausschliess-lich angetroffen wird. Bschr. Lrs. Pf. 305. Abb. Bg. u. S. Via;Btl. a, Tr. 281; Ha. XL 21; N. v. E. 55. PI. 271. Die Zwiebel sitztmit dem bewurzelten unteren Ende im Boden, während sie selbst voll-ständig oder zum grössten Theil über den Erdboden hervorragt. DerBulbus ist aus zahlreichen Blattschalen zusammengesetzt. Die äusseren. sind trockenhäutig und auch bei der weissen Spielart braun gefärbt,die mittleren saftigfleischig und die innersten, welche die Basis desBlüthensteugels und die neue Stengelknospe umgeben, sind sehr weichund wie die mittleren entweder roth oder weiss gefärbt, von lauch-artigem Geruch und unangenehm schleimig bitterem Geschmack.

Aussehen: Die R. Ph. schreibt die mittleren Schalen der weissenMeerzwiebel vor. Dieselben werden in Streifen zerschnitten und ge-trocknet in den Handel gebracht. Die Droge besteht aus 3 mm dickenund 4—5 cm langen Streifen, »int getrocknel sind sie hornartig hart,gelblich weiss, durchscheinend, von harten Querstreifen durchsetzt undsehr hygroskopisch, ohne Geruch, aber von schleimig bitterem Ge-schmack. Sie ziehen leicht Feuchtigkeit an und werden dann biegsam.

Anatomie: Jeder Streifen zeigt bei mikroskopischer Betrachtungnach aussen und nach innen eine Lage Epidermiszellen und zwischendenselben ein Parenchym aus im Querschnitt dünnwandigen, polyedri-schen, im Längsschnitt gestreckten Zellen, welche Schleim, Eiweissstoffeund Calciumoxalatraphiden einschliessen. Durch dieses Parenchymziehen Gefässbündel, deren Spiralgefässe von dünnwandigen, amylum-haltigen Prosenchymzellen umgeben sind.

Chemie: Die Droge enthält ein Kohlenhydrat, welches in chemi-scher Hinsicht mit dem Dextrin übereinkommt, aber die Ebene despolarisirten Lichtes nach liuks ablenkt und deshalb von Schmiede-°erg Sinistrin, von Eiche und Remont aber Scillin genannt wor-den ist, ferner ist daraus dargestellt Scillipicrin, Scillitoxin, Scil-lin (Merk), Scillain und etwas übelriechendes, flüchtiges Oel.

Das Sinistrin, C 6 H ,0 O 5 , ist farblos, amorph, löslich in Wasser. Mit ver-dünnter Schwefelsäure erwärmt, setzt es sich in Levulose und optisch inactivenZucker um, welche beide gährungsfähig sind und alkalisches Kupferoxyd reduciren.

Scillipicrin ist ein gelblichweisses Pulver von bitterem Geschmack, wel-ches sich leicht in Wasser löst.

Scillitoxin ist ein amorphes, zimmtbraunes Pulver, welches sich in Alco-h"l- aber nicht in Aether oder Wasser löst. Durch concentrirte Schwefelsäurew h-d es roth, dann braun, durch Salpetersäure schwach roth, dann orangegelb bisgrün gefärbt.