4s4 Das zwanzigste Capitel
gemeiniglich in denen angenommenen Lehrsätzen un-terweisen lassen. Ein Jude bringet seine Kinderzum Glauben des Judenthums, ein Heyde gewöh-net seine Nachkommen zur Abgötterey; ein Ma-humedaner erziehet die Seinigen in der Lehre seinesfalschen Propheten; ein Christo führet die Seini-gen irr das gestiftete Gnadeirreich seines Erlösers,und lasset sie in der Lehre unterrichten, welche erbekennet. Es ist aber aus den Lehrsätzen derHauptreligionen der Welt, wenn man sie vernünf-tig vergleichet, sonnenklar, daß sie einander gera-de zuwider: Und daß sie ohnmöglich alle von demwahren GOtt geoffenbahret, der die Quelle unsrerGlückseligkeit ist. Sie können auch ohnmöglichmit dem Willen des allerheiligsten GOttes über-einstimmen. Es kan auch ohnmöglich dem Aller-höchsten gleichgültig seyn, was von ihm gegläubet,und wie er verehret wird. Sonst müsse GOttmit sich selber streiten. Wir Christen sind davondesto mehr überzeuget, da wir eine untrügliche Of-fenbahrung haben, die uns zeiget, was wir gläu-ben und wie wir leben müssen, wenn wir zur ewi-gen Seligkeit gelangen wollen. Daraus ist klar,daß es dem Menschen auch nicht gleichgültig seynmüsse, was er vor Gedanken von GOtt habe,und was er vor Wege nimt, ewig glückselig zuwerden. Es können ohnmöglich viele Wege zumHimmel gehen, weil solches den unwandelbarenEigenschaften GOttes zuwider läuft. Ist nundem Menschen an seinem ewigen Wohl alles gele-gen, so kan er um keine Sache wichtiger besorgetseyn, als ob er in der rechten Religion stehe, und