rz6 Das neunte Capitel
Meinung eines neu erfochtenen Sieges bekamen, g) iHeist das nicht oftenbahr seinetl Ehrgeitz an den !
Tag legen, damit er aber nicht so verächtlich wür- !
de, in eine h eilige Decke einhüllen? Wie schändlichwird dieses herrliche Lied, welches die alte Kircheviel heiliger gehalten, nicht noch von der niedrigenWelt zur Särigung des Ehrgeitzes angewendet?
An einigen Oertern ist es bey dem Kirchgänge derKind bitter innen gebräuchlich, da ihn die ehrsüch-tigen Weiber zum Staat gemisbrauchet, wie eineifriger Lehrer d) beklaget. Es ist eine ssmdlicheSpötterey, wenn man die geistlichen Lieder nichtzur Ehre GOttes: sondern zu seiner Ehre an-wendet. Man raubet dadurch dem HErrn dasje-nige, was ihm gewidmet, und eignet es sich mit ei-nem strafbahren Frevel zu. Man opfert bey sol-chem Gottesdienste nur seinem Garn und räuchertfeinem Netze. Ebenfals ist es ein Misbrauch dergeistlichen Lieder, wenn einige geistlose Geistlichegewisse Gesänge bey dem Begräbniß des armenLazarus, und andre wiederum bey der Leiche desreichen Mannes singen lassen, damit man an demGesänge schon hören könne, wie viel der Verstorbnenachgelassen. Alle Gottesdienstliche Handlungen,die einen unlauter» Zweck haben, sind sündlich.
Alles
a) Siehe Thomas Schmid im historischen Gesangbuchep. zi;. und des Herrn Peter Büschs histor. undtheologis. Betrachtung des 'leOoum, wo er imIV
und V Cap. von dem Misbrauch desselben handelt, >und vieler Gottesgelehrten Gedanken darüberanführct. j
b) Das ist der sel. Christian Gerber im U TH. Der un-erkaNren Sunden c. xxxii. p. 742.