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III. 2«. Wmdischgrätz in der Kvnigsbnrg von Ofen.
die Kettenbrücke hinüber mit der Festung Ofen in Verkehr und Verbin-dung stand. Die ungarischen Farben an den ürarischen Gebäuden, anThoren und Geländern rc. schwanden, das alte Schwarz-Gold trat inseine Rechte; eben so mußten alle in der letzten Zeit entstandenen Benen-nungen von Straßen und Plätzen den frühen: ihren Platz abtrcten, diein deutscher und ungarischer Sprache an die Ecken geschrieben wurden.
Die Bewohner von Ofen und Pest waren den einziehenden Trup-pen mit willfähriger Gastfreundschaft entgegengekommcn, Officiere fandenin Privatwohnnngcn freundliche Aufnahme, Soldaten wurden in denWirthshänsern mit Spei-s und Trank bewirthet, selbst Leute der mindernClasse zeigten sich ihnen gefällig. Dennoch herrschte in den ersten Tageneine gewisse Spannung, wozu die Furcht vor den von der Revolutions-Partei angedrohtcn Gräueln einer zügellosen Soldatesca nicht wenig bei-trug. Als man aber sah daß die Mannschaft im allgemeinen Zucht undBescheidenheit zeigte, daß Ausschreitungen einzelner Officiere, vorzüglichans der Gränzc die sich mitunter arge Ausfälle gegen die magya-rische Nationalität erlaubten, von den Militär-Behörden in die gehörigenSchranken znrückgewiesen wurden, hob sich die Stimmung zusehends, dieGeselligkeit belebte sich von neuem, die Theater wurden fleißig besticht.Flug- und Zcitnngsblätter der vergangenen Monate wurden freilich ansdem Wege geräumt, in freiwilligen Auto-da-Fes der reinigenden Flammegeweiht. Man hatte auch Grund dazu. „Die Journale der ersten fran-zösischen Revolution", schrieb ein Zeitgenosse, „waren, mit der ungarischenRevolutions-Presse verglichen, mit Milch geschrieben und die heutige rothePresse Frankreichs wäre nach ungarischer Begriffsweise schwarzgelb".Die deutsche „Pcster Zeitung" hatte in dieser Richtung sattsam dasihre geleistet; da sie aber jetzt ein renmüthiges Bekenntnis ablcgte, wie sie„unter wechselnden Regimes und in stnrmbewegten Zeiten, znm Thcilunter einer Schreckensherrschaft, verschiedene Phasen dnrchgemacht", wiesie aber jetzt „mit einer unhaltbar gewordenen Vergangenheit vollständigund aufrichtig gebrochen" ^), so wurde ihr das Wiedcrerscheincn gestat-tet. Eben so begann „Pesti Hirlap", von dem aus Siebenbürgen ge-flüchteten Szilägyi redigirt, eine neue Thätigkcit; Karl von Vida, unterder frühen: Regierung wegen mancher Wahrheit die er ihr ungeschminktvorgehalten verfolgt und gemaßregelt, durfte seinen „Fighelmezö" wiederHerausgeber:, 21. Januar, Dr. Saphir seinen „Spiegel".
Eine anhaltend rosige Stimmung konnte allerdings nicht aufkommeii,