434
III. 26 . Wmdischgrätz in der Königsbnrg von Ofen.
Simnnick und Götz, hatte die Haupt-Armee aus ihrem Marsche durchnicht-magyarische Comitate gemacht. Aber selbst in stock-magyarischen Ge-genden standen die Dinge nicht so schlimm. Wo es kaiserliche Connnan-danten verstanden sich mit dem Volke in Verkehr zu setzen, ihm die kai-serlichen Proelamationcn bekannt und begreiflich zu machen, sie über denZweck der militärischen Besetzung des Landes aufzuklärcn, da konnten sieihres Erfolges sicher sein'''"). In Wahrheit, der Kampf in Ungarn alsideale Schildcrhelmng für die Verfassung, als „Unabhängigkeitskrieg" warnichts weniger als volksthnmlich: volkSthümlich war nur, leider muß esgesagt werden, der Raeen-Antagonismus, hervorgerufen durch die hoch-müthigc Verachtung des Vollblut-Magyaren gegen die andern Nationa-litäten, was ihm von diesen mit glühendstem Haße heimgezahlt wurde.Das brach überall durch. Als Mitte Januar ein Transport gefangenerHonvcds in Laibach Rasttag hielt und mehrere von ihnen vor dem Ver-Pflegs-Magazin warteten um Brod zu fassen, stand in einer kleinen Ent-fernung ein Häuflein in der Stadt garnisonirender Gränzer von denensie aufmerksam betrachtet wurden. Alsbald faßten sich die beiden Theilcgegenseitig auf's Korn: die Honvcds machten auf die Gränzer hinüberdie Pantomime des Hängens indem sie den Namen Jelaciv dazu riefen,diese gaben ihnen als Parole „Koffnth" zurück und fuhren mit der Längeihrer Zeigefinger sägend über die Gurgel. Diese Zeichensprache wurde vonAugenblick zu Augenblick heftiger, wobei sich beide Parteien immer näherrückten, und ohne Zweifel kam es zum Handgemenge wenn nicht die Be-deckungs-Mannschaft des Transports mit geladenem Gewehre dazwi-schentrat.
Bei so bewandten Umständen lag es einerseits nahe das Verschuldender Einzelnen milder zu beurtheilen, während es andrerseits dringend ge-boten schien der aufgeregten Bevölkerung die Waffen ans der Hand zuwinden. Das war schon eine natürliche Folge des Kriegszustandes undwurde Schritt für Schritt in Anwendung gebracht wo immer die kaiser-lichen Truppen festen Fuß faßten. Allein Wmdischgrätz, überall das„Brechen mit der Revolution" und das große Ganze vor Augen, wolltediese Gelegenheit ansgenützt wissen um gleich eine allgemeine und durch-greifende Maßregel anszuftthren. „Er könne", schrieb er nach Olmüz,„mit seiner geringen Truppenmacht die Revolution in einem so großenLande wie Ungarn nicht nicderwerfen, wenn nicht gleichzeitig in den nicht-ungarischen Ländern alles was mit der Revolution zusammenhüngt ernst-