300 II- ii. Ursprung und Zusammensetzung der ungarischen Armee.
des siele ein Theil des Volkes mit ab; und nur zu leicht würden jeneGegenden, die dadurch dem ungehinderten Einrücken der Kaiserlichen offenstünden, sich in die Verbindung und die Verkehrsvorthcile mit den „öster-reichischen" Ländern wieder hincinfinden. Die Gränze müße daher, so kamvom Landesvertheidignngs-Ausschnß der Befehl, um jeden Preis besetztbleiben.
Görgci gehorchte, allein er that es wie ein Mann der voraussieht,zuletzt werde es doch auf seine Reden hinauslaufen. Kossuth gab sich alleerdenkliche Mühe neue Truppen an die obere Donau zu senden; neu er-richtete Honvcd-Bataillons wurden dahin beordert; vom südlichen Kriegs-schauplatz sollten einzelne Abtheilnngen zur Armee Görgei's stoßen. Dochall das erforderte Zeit, die Märsche gingen langsam von statten, wennsie nicht gar durch Gegenvorstellungen der bezüglichen Einzelbefehlshaberanfgchalten wurden. In Presburg selbst war man auf fortwährende Ver-mehrung der Truppen bedacht; unter den Auspicien Ujhäzy's war einfreiwilliges Jäger-Corps in der Bildung begriffen "5°). An den Presbur-ger Vorwerken wurde noch fortwährend gearbeitet, obgleich nicht mehrmit der alten Begeisterung; die Leute mußten mit Strafen gezwungen,Landleute und Taglöhner aufgeboten werden, und schon tauchten Zweifelans, ob die Schanzen überhaupt zu etwas nütze seien "^). Görgei selbsthatte von allem Anfang davon nichts gehalten; er ließ sie, als er denOberbefehl übernahm, fortsetzcn, aber ohne besondere Anstrengung; „dieseSchanzen brauchen nie fertig zu werden", sagte er zu seinem General-stäbler. Zuletzt erklärte er: einer überlegenen Truppenzahl gegenübervermöge er mit den Schanzen nichts ausznrichten wenn nicht eineausreichende Besatzung dafür da sei, und Csänyi forderte in desFeldhcrrn Namen die Nationalgardc auf, sich zu erklären ob sie dieseVcrtheidignng übernehmen wolle, widrigens man ihr ihre Waffen abfor-dern müßte. Am 27. November wurde von den Bürgern Rath gehaltenund zuletzt beschlossen die Waffen abzuliesern; „doch würden sie der SacheUngarns stets treu bleiben". So erfolgte die Auflösung der PresburgerVolkswehr. Am andern Tage zog Csänyi mit mehreren Abtheilungen derArmee von Presburg ab; Görgei blieb mit beiläufig 8000 Mann und50 Geschützen zurück; doch standen fünf Dampfer für den Fall eines be-schleunigten Rückzugs in Bereitschaft.