Das „Brechen mit der Revolution" — Vcrdict Mer die „Grundrechte". 181
druck machen muß" . . . Was ihn mit seinem Schwager einigermaßenaussöhnte war dessen kräftiges Auftreten nach außen; er wünsche nur,fügte er, wieder mit einem Seitenhieb auf Stadion, bei, „daß in deninnern Angelegenheiten eine gleich entschiedene und kräftige Sprache ge-führt werde"
Der Zwiespalt in Auffassung und Meinung zwischen Windischgrätzund den Ministern betraf häufig einzelne Fragen, wie eben die Ernen-nung Doblhoff's oder den Streit wegen der Prager Hauptwache*), dieAufrechthaltung oder Milderung des Belagerungszustandes in Wien rc.;er berührte aber eben so oft die Hauptsache, das wichtigste und umfas-sendste oon allem: die künftige Verfassung. Hier war des Fürsten be-ständige Mahnung: „in den Reform-Ideen nicht zu weit zu gehen undvon den alten Formen jene beiznbehalten die mit dem neuen Zustandevereinbarlich sind". Mit revolutionären Schlagworten schön zu thnn, dieLeute des Umsturzes durch gewisse Redensarten und Zugeständnisse ge-winnen zu wollen, darauf müße vorweg verzichtet werden: „Wenn dieAbsicht besteht eine sogenannte demokratische Monarchie zu bilden, so mußich mich feierlich gegen jeden Antheil daran verwahren. Obschon dieserAusdruck an und für sich ein Unsinn ist, so spricht sich die Tendenz derPartei bei jeder Gelegenheit unverhohlen darüber ans". Ueber die „Grund-rechte" war man zwar bald einer Meinung; ja Windischgrätz undSchwarzenberg schienen miteinander zu wetteifern, wer seinen Abscheu vordiesem Schoßkinde des Constitutions-Ausschußes in kräftigeren Ausdrückenzu erkennen gäbe. „Daß diese Leute", der Marschall meinte die Krem-sierer Deputirten „über das frühere schändliche Product der s. g. Grund-rechte überhaupt noch berathen können, daß in den meisten Abtheilungendie anstößigsten Paragraphe durchgehen, gibt den Maßstab des Geisteswelcher die Mehrzahl der Abgeordneten beseelt". Der Minister-Präsidentberuhigte ihn bald darauf: „Ich beehre mich Euer Durchlaucht im engstenVertrauen zu eröffnen daß wir entschlossen sind die s. g. Grundrechte,diesen Abhub eines schlecht verkappten Republicanismus, wie sie in denAusschüßen des Reichstages durchgegangen sind, unter keiner Bedingungzuzulassen". Worauf wieder jener: „Was die s. g. Grundrechte be-trifft, so sind diese ein so schändliches Machwerk daß von selbem auch imentferntesten Sinne nicht die Rede sein könnte ^).
Bd. m. S. 447 f. Anm."°)