Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 1 (1876) Der ungarische Winter-Feldzug und octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

16«

I. 11. FraiiMsch-englischc Vermittlung in Italien.

meine gewesen wäre, und dies nicht blos bei den continentalen Negierun-ge», sondern im englischen Volke selbst. Der praktische Sinn des Bri-ten sträubte sich schon lang wider die Anmaßung seines „Lord Cupid"den Don Ouixotte aller europäischen Revolutionen zu spielen; besondersOesterreich gegenüber erwachte, mit der verjüngten Kraft welche diese -Monarchie zu dnrchdringen schien, im englischen Volke das Gefühl jeneralten Freundschaftsbande welche diese beiden Negierungen und Nationenso oft nmschlnngen hatten. Der alte „Sieges - Herzog", ans dessenStimme man in England noch immer horchte, war entschieden gegen Pal-merston's stänkerische Politik und äußerte anfangs December zu Koller:„Wenn Frankreich gegen Euch besser gestimmt ist als England, suchtEuch mit jenem zu verständigen, Palmcrston wird darüber wüthend wer-den". Selbst viele der Mitglieder des Cabinets dem der edle Lord angc- !

hörte wünschten der argen Verwicklung einen halbwegs anständigen Ans-gang; ja Lord Rüssel richtete an den sardinischen Gesandten in Parisein Schreiben, derselbe möchte seinen Einfluß beim Könige anwendendaß dieser mit Oesterreich Frieden mache; Karl Albert ließ dem Ersten .

Schatzkanzler durch Brignole bestens danken: „er sei wohl geneigt de» f

Rath zu beherzigen, müsse aber seine Besorgnis aussprcchen daß ihm sein :Ministerium die Hände nicht frei lassen werde". Am Hofe der Königinwar man über das gespannte Verhältnis zu Oesterreich nicht wenig beküm-mert. In einer vertraulichen Unterredung die Lord Aberdeen am 10. 1

Januar 1849 mit unserem Geschäftsträger Pflog, meinte jener, die Köni- !gin begreife vollkommen warum man östcrreichischerseits unter den obwal-tenden Umständen keine „kirutmssacko cks notikioation" geschickt habe; !da sie aber empfindlich sei, wäre es, um ihre günstige Stimmung fnrOesterreich nicht erkalten zu lassen und den Unterschied des Verhaltensgegen sie und gegen ihr Cabinet fühlbar zu machen, angezeigt, ihr etwadurch den Herzog Ferdinand von Coburg oder den Grafen AlexanderMeusdorfs das diesfällige Bedauern ausdrücken zu lassen: „übrigens", st-fügte Aberdeen bei, „seid Ihr in vollem Rechte und habt nur gethan -was England in ähnlicher Lage auch thnn würde". Die beiden'einflnß-reichsten Londoner Tagesblätter „Times" und „Morning Chronielc" lie- chßen keinen Tag vo> übergehen, dem Minister des Aeußern über die italie-nische Frage den Text zu lesen. Letzteres kam schon Mitte December,in einem gegen Palmerston und dessen früher» Helfershelfer Lord Mintogerichteten scharfen Artikel, zu dem Schlüße, England thäte am besten