Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 1 (1876) Der ungarische Winter-Feldzug und octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

Günstige Stimmungen.

53

fassung gibt mir ein wenig Bauch-Weh, weil sie eigentlich schlecht ist.Nun bitten Sic Gott aber ernstlich, mit uns ans dem 5. December diezweite Schlacht von Lcuthen zu machen, die an demselben Tage geschlagenwurde" . . . In der That, wer Unzufriedenheit über die neuen Ge-währungen zu bezeigen. Grund hatte, waren die Conservativcu, und vorallem die Junker, erstere weil ihre Grundsätze sowohl in der Verfassungwie in dem Wahlgesetz arg vcrlängnet wurden, die letztern weil voneiner besonder» Berücksichtigung ihrer Standesvorrechte in den beidenUrkunden nichts zu finden war. In einer geistvollen Schrift über „die Ver-heißungen des 22. Mürz und die Verfassung vom 5. December" sprachsich der ehemalige Minister Graf Arnim in der entschiedensten Weise gegen jeneAnschauungen allgemeiner Gleichheit ans, die im Grunde nur die grellstenUngleichheiten zum Vorschein bringe "^). Die radikale Partei dagegen sahordentlich verblüfft darein; die octohirte Charte, die im Punkte der Frei-sinnigkcit alle Erwartungen die man deren Ursprünge nach hegen kannteübertraf und in manchen Stücken selbst der belgischen 'und norwegischenVerfassung voraneilte, hatte sie um all ihre Fassung gebracht. „Es istein Unglück", hörte man einen der rcnommirtestcn Rothen Berlins spre-chen, „daß die octroyirte Verfassung so entsetzlich liberal ist". Uebcrhnupthatten die Männer der ehemaligen Linken einen schweren Stand. Viele zögertenin Berlin, weil sie sich nicht in ihre Heimat zurückzukehren trauten wo siewegen ihres Verhaltens in der Kammer ärgerliche Auftritte besorgten, lieberAndere kan: nachträglich bessere Einsicht; der schlesische Pfarrer Schaffraneck,von seinem Bischöfe wegen der Steuer-Verweigerung'ermahnt, veröffentlichteunter dcr Ueberschrist „lR-rnro Iiuinniiuin sst" einen Aufsatz in den Zeitungenworin er bekannte daß er selbst im Augenblick der Abstimmung gezweifelt habeob er im Rechte gewesen; seit die Stimme des Volkes gegen die Natio-nal-Versammlung entschieden, erkenne er die Stimme Gottes darin undbereue was er gcthan. Gegen Beamte die in den Zeiten der Prüfungnicht treu befunden worden schritt die Regierung unter lauter Zustim-mung der Mehrzahl der Bevölkerung ein; einer der ersten war der schle-sische Ober-Präsident Pinder *) der durch den Frhrn. v. Schleinitz ersetztwurde. Die Mitglieder der Oberlandesgerichtc zu Natibor Münster Brvm-bcrg wandten sich mit Zuschriften an ihre Ober-Präsidenten von Kirch-mann und Gierke und an den OberlandcSgerichts-Director Tcmme, oderthaten Schritte beim Justiz-Minister und bei Hofe daß dieselben, deren

*) Siehe unfern Bd. II. S. 116.