Fricdens-Congrcß in Brüssel.
5
2 .
Am 30. Oktober 1848 machte eine Deputation des Friedens-Con-gresses der so eben seine Sitzungen in Brüssel beendet hatte, Lord Nnssclin Downing-Street ihre Aufwartung. Es waren der belgische BergrathVisshers als Vorsitzender, das Parlaments-Mitglied Ewart als Vice-Prä-sidcnt für England, der anglicanische Geistliche H. Richards als Stell-vertreter für F. Bouvct Vice-Präsidenten für Frankreich, Herr Scobleaus Holland und der Quaker Elihu Burritt, der nvrdamericanische Grün-der der „Lcague of universal brotherhood". Der Lord-Schatzkanzlcr nahmdie Kundgebungen prciswürdiger Absicht und Gesinnung freundlich ent-gegen, äußerte jedoch zugleich bedauernde Zweifel über Geltendmachungund werkthätige Durchführung derselben. Zn der That, selbst wenn manvor dem die Augen verschließen wollte was sich gerade zu dieser Zeitin den wichtigsten Gebieten Mittel-Europas begab, auch sonst wohin manblickte stieß man in fast allen Theilen der bewohnten Erde auf Kriegoder doch hundertfältigen Anlaß dazu, Krieg innerer Parteiung, Kriegum das Dasein, Krieg gegen den äußern Feind. Es ging eben in allen Thci-lcn der Erde im Jahre 1848 zu, wie es von jeher so lang die Weltsteht zngcgangen war und wie es kaum je anders zugehen wird.
Wohl hatte sich die Friedens-Liga für ihren diesjährigen Zu-sammentritt ein passendes Plätzchen ausgesucht. Belgien und Hollandwaren ans dem mittel-europäischen Festlande der einzige Raum wo dieinneren Angelegenheiten, fast unberührt von den ringsum in allen Län-dern wild tobenden Kämpfen und Parteiungen, ihren gewohnten Gangnahmen. Bei dem Neujahrs-Empfang in Brüssel konnte König Leopoldunter dem rauschenden Bcifalle der aus der Hauptstadt und allen Thei-len des Landes sich an ihn drängenden Deputationen die Worte sprechen:„Man hat Belgien seit langer Zeit dessen Nationalität streitig machenwollen, von jetzt an ist dies eine Unmöglichkeit: Ihr seid eine Nation!"Die Nadicalcn rümpften allerdings die Nase und deuteten die Zufrie-denheit des jüngsten der europäischen Staaten als boshafte Schadenfreude