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sischen Kultur willen. „Die Wendung zum Undeutschen istimmer das Kennzeichen der Tüchtigen unseres Volkes ge-wesen“, deklamiert er 88 ). Die Stellen für seine widerdeutscheGesinnung sind von den verschiedensten Seiten, auch inTageszeitungen, hervorgeholt worden und auch so leicht zufinden, daß es sich nicht verlohnt, sie von neuem zusammen-zustellen 39 ). Ihm verdanken wir den unausrottbaren Vorwurf,Biertrinker, Alkoholisten, „Barbaren“, „Schlafrock-Philister“ zusein- 10 ). „Soweit Deutschland reicht, verdirbt es die Kultur“ 41 ).Daran ändert das doch hie und da wiederkehrende heimlichepositive Interesse an seinen Landsleuten nichts, nichts die süßeRomantik seiner frommen Jugendgedichte, nichts die Ver-wandtschaftseinesHerrenmenschenideals mit Friedrich SchlegelsIdeal des Genies. Ungerecht, wie er nun einmal ist und vonder hysterischen Sucht besessen, gepriesene Namen in denStaub zu ziehen, schenkt er Luther 42 ), Kant, Bismarck seinebeißenden Scheltwörter nicht. Er kennt die Unerschöpflich-keit des deutschen Wesens, aber seine Leidenschaft für dieästhetische Form heißt ihn, sie karikieren. Seine Koketteriemit französischen Redensarten, die er zum Teil in der SchweizerGesellschaft auflas — die ihm so teure „niaiserie“ und das„de rigueur“ gehört dahin — wird beinahe unleidlich. Die Ent-stehung der Uebertnenschen-Theorie fällt — welch schneidendeIronie für Nothomb — ungefähr mit der innigeren VertiefungNietzsches in die Milieutheorie Taines zusammen, den er inseinem unerträglichen Diktatorenton uns als ersten lebendenHistoriker aufdekretiert. Die Beziehungen zu dem „Psycho-logen“ Paul Bourget, zu Montaigne, Pascal, Stendhal, Gobineausind mit Händen zu greifen 43 ); auch Maine de Biran könnte ergekannt haben.
Nietzsches Haß gegen das deutsche Wesen als „zurück-getretene Liebe“ auszulegen 44 ), geht nicht an. Es ist ebenweniger Haß, als hochmütige Verachtung, ursprünglich viel-leicht etwas gekünstelt, aber schließlich immer mehr erstarrend.Seine ihm rührend ergebene Schwester, Frau Förster-Nietzsche,durchschaut den Bruder besser. Darum, meint sie in derVorrede zu des Halbfranzosen Henri LichtenbergerNietzschebuch, stehe dieser der Gedankenwelt seines Vor-wurfs so nahe, weil er ein Deutscher mit französischerKultur sei.
An Stellen des Meisters schließt sich Camille Mauclairan, wenn er von diesem sagt: Er ist der Protest des latei-