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sinnung uns geben in dem Hingen mit der Flut von persönlichemLeid, öffentlicher Verleumdung und Beschimpfung, die uns vontausend Seiten zu umkrallen sucht. Neben dem Vertrauenauf den Sieg des Guten d. h. dessen, dessen Wert selbstver-ständlich ist, bildet die Selbstachtung in allen geistigen Stür-men die sicherste Schutz wehr. Das deutsche Volk bedarfnicht des Trostes abergläubischer Prophezeiungen. Es hatsein gutes Gewissen und hat seinen Gott.
Nietzsche und der deutsche Geist. 19)
Der deutsche Geist ist unfaßbar, nicht wie Proteus, weiler falsch ist, sondern weil er nicht erschöpft werden kann.Er ist gemütvoll, aber was bedeutet Gemüt? Er ist gemüt-lich, aber gemütlich bedeutet sicher etwas anderes als inPantoffel und Schlafrock herumlaufen; wer das meint, ver-gißt, daß nur die Armut der Biedermeierzeit unsern Vorfahrendiese vermeintlichen Utensilien angewöhnten. Er ist innig —wer will das definieren ? Er ist tief — doch, es würde Seitenfüllen, wollte man die Eigenschaften alle aufzählen, die früherdas Ausland den Deutschen freigebig neben einigen Schwächenzuschrieb. Heute sind wir zur Abwechslung einmal Barbaren.Hunnen, unfein, roh, sklavisch, gebunden — sicher wird esein Vorteil für unsre Selbsterkenntnis seih, wenn der Welt-krieg, was wir aus andern Gründen nicht wünschen, nochlänger dauert.
Keinem Zweifel unterliegt es aber, daß unsre Gegnerdie Kunst besitzen, mit zweierlei Maß zu messen. Die Eß-manieren, die der Franzose und Italiener ausübt, ohne gescholtenzu werden, sind beim Deutschen plebejisch im höchsten Grade —mit solchen und ähnlichen Unwürdigkeiten sucht man uns zu be-siegen. Die schönste Blüte aber der unfreiwilligen Selbstzeichnungist der Ausspruch, daß Nietzsches Philosophie das Spiegelbild desdeutschen Geistes von heute sei. So angesehene Engländerund so ehrenwerte französische Gelehrte behaupten das, daßman beinahe glaubt, sie glauben, was sie behaupten, selbst.So mag diesem Intermezzo des Krieges immerhin ein kleinesDivertissement gewidmet sein.