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Was bedeutet "Kulturvolk"?
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gegen ihn wehrlosen Schwachen niederzuwerfen. Und erfordert eine Umbildung der Herrenmoral in dem Sinne einesPflichtgebotes:Du sollst dich selbst dahingeben für die Auf-gabe, die dir in der Welt gestellt ist! Aus den Beziehungen,in die das Leben notwendig den einzelnen stelle, lasse sichauch die machtvolle Persönlichkeit nicht lösen 82 ).

Nehmen wir, um das Mosaik von Urteilen nicht zum ver-wirrenden Durcheinander werden zu lassen, nur noch Rob.Saitschicks (1906) bei aller sonstigen Zartheit krattvolleCharakteristikeine seltsame Mischung von Scharfsinn,Schwärmerei und Phantasterei 33 ), Raoul Richters (1903)bei weitreichendem Entgegenkommen doch entschiedeneAbweisung und Umdeutung wichtiger Abschnitte der Ueber-menschenpredigt 34 ), Ludwig Steins ersten temperamentvollenAngriff (1891) 36 ), der Katholiken E. L. Fischer (1906) undAlbert Lauscher (1909) gerechte, aber deutliche Abrechnunghinzu, so dürfen wir unbedenklich erklären: Der Umwerteraller Werte hat in Deutschland auf allen Seiten Kritiker,ja zum Teile scharfe Gegner gefunden. Eduard von Hart-manns kerniger Satz:Den undeutschen Bestandteilen eineskranken, weibischen, dekadenten Geschlechts muß natürlichsolch ein undeutscher, kranker, weibischer, dekadenter Schrift-steller verwandt, sympathisch und willkommen sein 36 ) seinicht einmal in den Vordergrund gestellt, weil bösartigeZungen freilich mit Unrecht behaupten könnten, hierspreche der Geschäftsneid und die Leidenschaft des hart ge-züchtigten kleineren Geistes.

Nur ein Einziger, soweit ich sehen kann, hat es fertiggebracht, die Erneuerung des deutschen Reiches und FriedrichNietzsche als die zwei großen Erlebnisse seines Daseins ineinem Atemzug zu verhimmeln 37 ), jedoch ohne sie in innerenZusammenhang zu bringen und nicht ohne seinen inneren Ab-stand von dem Heros zu betonen. Das ist Richard M. Meyer(1913), ein Literaturhistoriker, kein Philosoph.

Abgelehnt von der großen Mehrheit unseres Volkes währendseines Lebens und nach seinem Leben hat Nietzsche selbstdas deutsche Volk mit Füßen von sich gestoßen. Nicht nurdie lächerliche Marotte, vom polnischen Adel abstammen zuwollen, die den Vielwisser dazu verführte, in dem DalmatinerRoger Boscovich einen Polen zu sehen, hat ihn dabei geleitet.Er gibt sich die allergrößte Mühe, die Leute mit den treuenblauen leeren deutschen Augen, zu verachten um der franzö-

Dyroff, Kulturvolk 3

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