Anmerkungen
S. 1. 1) Die Hauptgedanken waren Gegenstand eines Vortrags,,
der am 11. XII. 1914 stattfand. Absichtlich wird das Stimmungskoloritjener Tage beibehalten. Karl Joels Rede „Neue Weltkultur“ Leipzig 1915wird mir eben erst bei Abschluß der Korrektur bekannt.
S. 3. 2) Ueber falschen Nationalismus hat der Engländer J. St. Mi 11ein deutliches Wort: „Wir brauchen kaum zu sagen, daß wir nicht dieNationalität im vulgären Sinne des Wortes meinen, eine sinnlose Anti-pathie gegen Fremde, die Gleichgültigkeit gegen das allgemeine Wohlder Menschheit oder einen ungerechten Vorzug der vermeintlichen Inter-essen unseres eigenen Landes, eine Vorliebe für schlechte Eigentümlich-keiten, weil sie national sind, oder die Weigerung, das anzunehmen,was andere Länder gut fanden. Wir meinen ein Prinzip der Sympathie,nicht der Feindseligkeit, der Einigkeit, nicht der Trennung.“ Nachdem,er England wegen der Anwesenheit des Gefühls der gemeinsamen Inter-essen in einem engeren Bereiche gerühmt, stellt er es „in seiner Ver-bindung mit Irland“ als eines der ausgezeichneten Beispiele von denFolgen seiner Abwesenheit an den Pranger (System der deduktiven undinduktiven Logik VI 10 § 5 S. 560 des 2. Bds. der deutschen Ueber-setzung von Schiel, 4. Aufl., 1877). Das ist das Gegenteil der politischen.Moral, die seit den letzten Jahrzehnten englische Zeitungen verkündigenund die die englischen Macher durch publizistische Aufpeitschung dernationalen Affekte bei Franzosen, Russen und Italienern befolgen. Eng-lische Zeitungen haben gar keinen Sinn mehr für das Unmoralische derDevise: „Recht oder Unrecht, ’s ist mein Vaterland“, oder des Satzes:Deutschland verdirbt uns den Handel, darum muß es vernichtet werden.Und ebenso fehlt den Finanzleuten, die die französische und italienischeHetzpresse in ihrem Wüten für die Eroberung Elsaß-Lothringens oder desTrentino und Triests bestärkten, der einfachste sittliche Takt. Es istfreilich lange her, daß J. St. Mill jene Worte schrieb.
S. 3. 3) Das Wort „Kultur“ bedeixtet, wie aus dem Thesaurus
Ling. Latinae erhellt, ursprünglich soviel wie „Pflege“ und zwar desAckers, der Bäume, des Viehs u. a. Natürlich ist es Cicero, der dieUebertragung auf das Geistige einleitet: Tusc. 2, 13 cultura animiphilosophia est (als Uebersetzung von üspaaeia. oder TtaiSeoaic ?), undHoraz trägt zur Verbreitung der ideellen Bedeutung bei. Valerius Maxi-mus bildet bereits die in der Renaissance dann so oft wiederholte Wen-dung ingenii cultura. Endlich leiten, was ebenfalls bezeichnend ist,.