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zu billigen oder zu lehren. Sie werden vielmehr, seitdem derInhalt dieser Lehre in der literarisch gebildeten Gesellschafthäufiges Gesprächsthema wurde und auf die unselbständige,für dithyrambische und aphoristische Darstellungsform besondersempfängliche Jugend Eindruck zu machen drohte, es nichtunterlassen haben, die bedenklichen, zum Teil entsetzlichenSätze des Unglückseligen nach Gebühr zu würdigen. Vonden im Druck vorliegenden Urteilen namhafter Philosophenseien nur wenige gekennzeichnet; es sind Stimmen vonMännern, denen Namen auch in weiten Kreisen des Auslandsden besten Klang haben.
Külpe rechnet Nietzsches ungerechten Kampf gegen dasChristentum, seine widerspruchsvollen und die Tatsachen ver-gewaltigenden Theorien, seine ungeschichtlichen Konstruktionenund Uebertreibungen zu den Dingen, die man in Zukunftnicht mehr als Beiträge zur Philosophie und Wissenschaftbeurteilen werde, und bedauert es, daß er nicht für die Weisen,sondern für die leichtgläubigen Toren geschrieben zu habenscheine. Der Naturalismus gleiche dem Sturmwind, der wohldie Luft reinige, aber keine lebensfähigen Keime mit sichführe und aufgehen lasse 26 ). Das Leitmotiv des spätemNietzsche ist auch für Alois Riehl ein Mißklang: „NietzschesWeltanschauung ist anthropozentrisch geraten und gehört da-mit eigentlich in die vorkopernikanische Aera“. Die Haupt-bedeutung des Mannes scheint der Berliner Philosoph darinzu sehen, daß er die Modernität einer schwächlichen Zeitresümiere, vollendet und überwunden habe 27 ), eine Einsicht,der Ritteimeyer den deutlicheren Ausdruck gab, der ehemaligePositivist könne wohl selbst als ein großer Erschütterer desPositivismus betrachtet werden; es sei möglich, daß er indirektden Atheismus zur Krisis und die Tugend zu einer neuenThrouerhebung geführt habe 28 ).
Ein Idealist, wie wir in Deutschland von Idealismussprechen, kann nichts anders tun, als Nietzsche von Anfangan abweisen. Nietzsche als Antimoralist, als Positivist, als Rea-,list, hat dem erkenntnistheoretischen und dem ethischen Idea-lismus für sich den Gnadenstoß gegeben. Kant ist für ihn die„deutsche Dekadeuce als Philosophie“ 29 ). Darum vermochte nurdie Sympathie, die Eucken für das aktivistische Element undfür die Kulturkritik in Nietzsches Lehre hegen mußte, und dievornehm-zarte Haltung dieses Philosophen ihn zu einem mög-lichst entgegenkommenden Urteil zu bringen. Aber was ist