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kranzes, den wir der Weisheit Bismarcks verdanken. Wieglücklich in ihm die stärkenden Tendenzen nach Einheit desGanzen mit dem berechtigten Streben nach Selbständigkeitder Teile Hand in Hand gehen, beweist gerade die akade-mische Frage, ob Staatenbund oder Bundesstaat, die aufeinen Wortstreit hinausläuft. Welche Segnungen des Friedensder Wetteifer der selbständigen Bundesstaaten Jahr um Jahrgebar, konnten wir bisher beglückt mit eigenen Augen sehen.Eine wirklich naturhafte Fülle mannigfaltiger Kulturformenbei aller Einheit des Grundplans allüberall in deutschen Landen,deutschen Gauen, deutschen Städten. Kein kraftauslaugendesSammelbecken der Geister wie Paris, keine eintönige National-zollstätte wie London, keine künstliche Scheinhauptstadt wiePetersburg. Nein, Zentralisation im Wesentlichen der Volks-einheit in schöner Harmonie mit lebenreizender Dezentralisa-tion im Wesentlichen der individuellen Rechte! Darin istDeutschland vorbildlich, und die glänzend bestandene Probeauf die Güte der Einrichtung, die der gegenwärtige Krieg vonuns fordert, wird der Welt ein Beispiel für immer sein. Andem Deutschen, der bekanntlich fremdem Wesen gegenübernur zu leicht nachgiebig ist, liegt es nicht, wenn die Völkervoll Pharisäismus sich gegenseitig ihre nationalen Eigentüm-lichkeiten vorwerfen und gegen Originales von fremder Artunduldsam sind. Wie wir im Lande mit Bedauern das Aus-sterben der Originalitäten beklagen, so schätzen wir mit ver-ständnisvoller Hingabe und anschmiegsamer Nachempflndungan andern Völkern alles, was sie an eigenartigen Kulturgrößen ge-schaffen. Die Entwicklung der deutschen Aufklärung und desKantschenSystems, mehr aber noch dieTätigkeit Winckelmanns,Goethes,,Schillers und unserer Romantiker wie auch unsere Ge-schichts- und Literaturwissenschaft sprechen beredt genug. Wirentdecken für andere Völker verschollene Geistesheroen ihrer Ver-gangenheit, wir führen ihrem Nationalgefühl neue und kräftigeQuellen zu. Der Undank, der uns so oft lohnt, schreckt uns nichtab; wir müssen einfach so handeln, wie wir handeln. Ich binüberzeugt, Deutschland wird einst für ein gedeihliches Ver-hältnis der Nationen eine ehrliche, gute Formel finden.
Endlich kommt uns Deutschen, wie besonders nachdrück-lich Fichte betonte, eine gründliche Ernsthaftigkeit zu, dieaber vom Radikalismus des Denkens und Wollens wesentlichverschieden ist. „In Deutschland sind alle ernst, aber opti-mistisch“, sagte während der Spannung des Krieges ein