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Volk selbst, soweit es wehrfähig- ist. Aber eben deshalb, weiljeder seine eigene Haut zu Markte trägt und in seinen Todseine ganze Familie miiverstricken würde, ist kein Deutschervon vornherein begierig, Kriege anzuzetteln, und wird er nurvon der Not gezwungen in Kriege eintreten. Aber noch mehr,der Deutsche liebt den Frieden um seiuer Werke willen.Seine Ehrliebe will nichts anders als die objektive Anerkennungund Achtung deutschen Geistes und deutscher Arbeit, eineAnerkennung, die jede anständige Nation der andern eben sowillig zollen sollte, als ein Ehrenmann die guten Eigenschaften undVerdienste des andern freudig zugesteht. Wo Mißstände auf-treten, haben Presse und Parlament eine Freiheit der Sprache,die mehr als genügt, jene aufzudecken und wirksam zu be-kämpfen; aber den üblen Folgen einer athenischen Parrhesiebegegnet ein Hang zur Gründlichkeit, der jede Frivolität desöffentlichen Anklagens alsbald zu ertöten bereit ist.
Eine Idee ist es vor allem, die seit dem Mittelalter derDeutsche nicht anders als lieben kann: die Treue. Treue gegensich selbst, Treue gegen den Freund predigen unsre Philosophen,unsre Schulen, und das Volk versteht die Lehre sofort und stimmtihr strahlenden Auges zu. Wenn der Krieg vorüber ist, wirdman auch im gerecht denkenden Ausland ohne Rückhalt an-erkennen, wie gut wir dem von einem übermächtigen Gegnerbedrängten Oesterreich-Ungarn auch diesmal wieder die Treuehielten. Treue ist aber eine soziale Tugend, die im Völker-verkehr nicht minder notwendig und segensvoll ist als imLeben der Einzelnen. Ihren Wert zur universalen Geltungzu bringen, ist eine der Aufgaben des deutschen Volkes. DieTreue birgt in sich eine eigene Ehre, köstlich und herrlichwie keine. Sie ist als Gegengewicht gegen den Völkeregois-mus nicht zu entbehren in der Wechselwirkung der Völker,weil es keinen Weltmonarchen über den Völkern gibt undniemals geben wird. Sie ist eine erste erfolgreiche Bekämpfungdes Krämergeistes, der ganz im Gegensatz zu alten Zeitendie Nationen von heute anzustecken im Begriffe war.
Eine zweite echt deutsche Eigenschaft ist die Selbstbe-hauptung in der Gestalt einer scharf ausgeprägten Individuali-tät. Bei den alten Germanen war sie bis zu lasterhafterEigenwilligkeit und Streitsucht entwickelt. Das alte römischeReich deutscher Nation hatte sie nur äußerlich überwunden.Erst das neunzehnte Jahrhundert gab ihr die gedeihlicheForm, im Großen durch die Struktur des deutschen Staaten-