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Was bedeutet "Kulturvolk"?
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Germanen und die Kreuzzüge der Christen, die Eroberungs-züge der Araber, die Verstreuung der Israeliten waren zuallem andern eher geeignet als zur Vorbereitung von Volkscha-rakteren. Die drei überragenden Religionsformen gingen sämt-lich auf die Gewinnung der ganzen Menschheit aus. DieTheologie, an der Spitze aller Wissenschaften, wies auch diePhilosophie auf übernationale Zwecke hin. Darum schenkt,nach Homer zum ersten Mal wieder, gerade diese Zeit unsein Weltgedicht, in dessen Genuß sich noch heute Angehörigealler Erdteile begegnen und in Zukunft noch mehr begegnenwerden. Dante ist es auch, der die Idee eines Weltmonarchenmit der Naivität eines lernenden Zeitalters schöpft, um derwesentlichen Einheit des abstrakten Menschentums einen äuße-ren Repräsentanten und dem absoluten Zielen aller Menschennach einem irdischen Paradies einen geheiligten Sachwalterzu geben, der da über allen Landesfürsten stehe wie der Papstals Vertreter des Göttlichen in uns und als Vermittler deshimmlischen Paradieses. So etwas möge Humanismus nennen,wer will. Zur Weltuniformierung treibt politisch die Kaiser-idee, wissenschaftlich die gleichmäßige Schulform und Schul-methode.

Suchte so das Mittelalter die Völker der Welt zu demeinen Weltenvolk zusammenzuschweißen, so atomisiert dieZeit der Renaissance, freilich auch infolge jener das Ziel über-spannenden Richtung, die Kulturgebiete. Seitdem mußte dasheilige römische Reich deutscher Nation dahinsiechen. DerAbsolutismus, seinerseits eine hypertrophische Form des eineprinzipielle Geltung beanspruchenden Individualismus, truggleichwohl den Todeskeim in sich, weil er sich vor die Bahn derindividualistischen Neigung der Vielen wie ein starrer Quer-balken vorschob. Auf wissenschaftlichem Felde versagenebenso die Versuche einer Philosophia perennis. Ein Chaosvon Richtungen der Philosophie ergießt sich vieltönig, aberohne Harmonie. Descartes bricht zuerst gründlich mit allerTradition und proklamiert in anderm Sinne als Augustinusdie Rechte desIch; die erste Sünde gegen den Geist derWissenschaft wird in der Philosophie Mode, die Meinung, jederPhilosoph müsse sein System haben.

In den Ausgleiehsprozessen zwischen der mittelalterlichenund der humanistischen Grundtendenz und in den heftigenStürmen, die im Menschenleben wie in der äußeren Natur alleAusgleichsprozesse begleiten, war eine innere Einkehr der all-