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aus auch eine starke Begabung der Abstraktion zuteil wurde,lehrt ein schlichter Vergleich der bildenden Kunst Griechen-lands mit ägyptischer und assyrischer Baukunst und Plastik.Während im Orient die Formen sinnlich-glutvoll oder sinnlich-düster bleiben, fängt der Grieche alsbald an zu stilisierenund zu idealisieren. Aus der ägyptischen Baumsäule wirddie mathematisierte Gestalt der dorischen kannelierten Säule,ein Gang, der der Umbildung der assyrisch-ägyptischen Mathe-matik in die griechische parallel verläuft.
Alles in allem: Griechenlands universale Mission wardie Entbindung des Gedankens und der wissenschaftlichenArbeit von den Fesseln der anfänglich stets roh-sinnlichenAuffassung des Wirklichen. Pythagoras ist der erste Herolddes griechischen Volkscharakters, Anaximander nur sein Vor-läufer. Parmenides, Demokritos, Platon, Aristoteles, die Neu-platoniker, sie kommen innerlich von einer Art des Pytha-goreismus nicht los, nehmen wir nun das Wort im geschicht-lichen oder im sachlichen Sinne. Eben darum schenkte Hellasden künftigen Völkern eine wirkliche Philosophie, die vonschwüler Mythologie und sinnlicher Phantastik sich losge-rungen hat, den ersten klaren Grundriß einer Mathematikund eine auf Gedanken stehende, durchgeistigte Rhetorik,die das praktische Gehaben zur wissenschaftlichen Kunstlehrezu machen strebt und für immerdar Vorbildliches erzeugt.In jener Form der Rede, die das echte Lieblingskind dieserRhetorik ist, in der idealisierenden Prunkrede, spricht derGrieche am vernehmlichsten. Nicht zwar mit voller Leucht-kraft, aber vollkommen deutlich sichtbar schimmert die hel-lenische Grundidee aus den leichtbewegten Wellen der eitlenselbstgerechten Gewissenserforscliung herauf, die der athenischeRhetor Isokrates in seinem Panegyrikus 7 ) anstellt: „So sehrhat die Stadt Athen an Verstand und Rede die andern Menschenhinter sich gelassen, daß ihre Schüler die Lehrer der andernwurden; sie hat es dahin gebracht, daß der Name „Hellenen“nicht mehr ein Name des Volkes, sondern der Denkkraftselbst zu sein scheint und eher diejenigen Hellenen genanntwerden, die an unserer Geisteskultur, als die, die an unserergemeinsamen Stammesart Anteil haben.“
Mächtiger noch als an den Griechen, die ja äußerlichnie die Weltherrschaft besaßen, offenbart sich die Natur einervolkstümlichen Weltkulturidee an den Israeliten und an denRömern. Jene innige Harmonie des Sittlichen und des Reli-